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Boreout – mit Langeweile erfolgreich die Produktivität vernichten

Boreout: vom Nichtstun ausgebrannt

Unterforderung, Langeweile, Desinteresse? Arbeitslos in der Arbeit? Das Boreout Syndrom ist seit einigen Jahren bekannt und steht im Gegensatz zum gängigen Burnout – ein Erschöpfungszustand bei zu viel Stress, zu viel Anspannung und zu viel Arbeit. Die Boreout Symptome bleiben dabei Arbeitgebern und Vorgesetzten oftmals verborgen. Denn Betroffene tun viel dafür, ihren Boreout zu verheimlichen. Zum Beispiel aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren. Oder weil sie keine Chance sehen, sich – gerade in strukturschwachen Gegenden – umzuorientieren. Auch bei ungeliebten Aufgaben, die dennoch erledigt werden müssen, kann die Auslaugung durch Langeweile vorkommen. Dabei soll der Arbeitsplatz nicht nur Beschäftigung und Geld bringen. Er soll idealerweise mehr Sinn geben als sich sinnlos anfühlen.

Wir möchten Ihnen die Thematik des Boreout-Syndroms erläutern. Und wir geben Ihnen Strategien an die Hand, was Sie tun können, wenn Mitarbeiter möglicherweise von Boreout betroffen sind. Denn hier stehen Sie, soweit teilweise im Rahmen des Risikomanagements mit in der Pflicht. Es geht darum, Arbeitsbedingungen zu erhalten und zu schaffen, die dazu beitragen, dass Ihre Mitarbeiter gesund bleiben – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Begriffe wie Work-Life-Balance, Burnout-Prävention, Achtsamkeit und mehr sind nicht von ungefähr seit Jahren in Coachings zu Mitarbeiterbindung etabliert. Der Boreout braucht dabei ein anderes Vorgehen, sowohl im Erkennen als auch im Umgang.

„Ausgelangweilt sein“ und erschöpft vom Nichtstun – der Begriff Boreout

Burnout oder Erschöpfungsdepression sind vielen bekannt, selbst wenn die Begriffe nicht eindeutig abgegrenzt werden. Doch das Gegenteil Boreout, das zu ähnlichen Symptomen und gesundheitlichen Einschränkungen führt, bleibt oftmals unerkannt. Die Betroffenen schweigen. Oder Angestellte, die nichts, zu wenig oder das für sie Falsche zu tun haben, nicken Anweisungen ab. Seltener finden Sie im Betrieb kein offenes Ohr für ihre Situation, denn meistens sind sie nur noch reine Befehlsempfänger. Wie merken Sie dann, dass ein Mitarbeiter vom Boreout betroffen ist? Und wie können Sie mehr Kommunikation schaffen?

Boreout: Definition

Der Begriff Boreout stammt aus dem Englischen von dem Wort boredom, Langeweile, und dem zugehörigen Verb to be bored, sich langweilen. Das Boreout Syndrom wird unterschieden in eine quantitative Form und eine qualitative Form:

  • Quantitativer Boreout meint, dass Arbeitnehmer zu wenig zu arbeiten haben oder überhaupt nichts zu tun haben. Das betrifft weniger Phasen, in denen „Flaute“ herrscht, sondern eine lang andauernde Beschäftigungslosigkeit oder Unterforderung. In kurz: „Wenn Ihre Mitarbeiter Däumchen drehen müssen oder Papierflieger bauen, weil selbst die Kaffeemaschine dreimal gereinigt ist.
  • Wenn die Arbeit zwar ausreichend vorhanden ist, aber nicht erfüllend wahrgenommen wird, handelt es sich um den qualitativen Boreout. Dieser bezeichnet, dass der Mitarbeiter unterfordert ist, die Tätigkeiten nicht zu seinen Talenten passen. Das kann passieren, wenn die Einstellung auf eine Position erfolgt ist, sich aber aus verschiedenen Gründen die Aufgaben mit der Zeit verschieben.

Meistens ist eine schwierige Kommunikationsstruktur im Unternehmen verantwortlich, teilweise aber auch reine Missverständnisse bei der Aufgabeverteilung. Eine weitere Möglichkeit besteht, wenn im Bewerbungsprozess falsche Angaben gemacht wurden über Fähigkeiten und Vorlieben und der neue Mitarbeiter später nicht mehr korrigieren kann oder will. In diesen Fällen wird eine Lösungsfindung schwierig, denn auch die wohlwollende Nachfrage kann bedrohlich wirken.

Sieht man sich die Arbeitgebermarke, das Employer Branding, an und die großen Bewertungsportale, lässt sich aber feststellen:

Nichtstun ist beim Boreout in der Regel nicht selbst ausgesucht!

Abgesehen von Fällen des Mitarbeiterbetrugs, z.B. Unvermögen jeder Art vorschützen, echtes krankfeiern und mehr, ist doch meistens kein Schadenswille vorhanden, wenn Mitarbeiter nichts zu tun haben. Auch wer etwas leisten will, aber unter seinen Talenten und Fähigkeiten bleiben muss, ist Boreout gefährdet. Im Lean Management reden wir daher von verschwendetem Talent. Wissenschaftler diskutieren das Boreout Syndrom als Krankheitsbild, das eine ausgesprochene Unterforderung im Arbeitsleben beschreibt.

Boreout: Definition

Boreout: Symptome

Langeweile und Unterforderung als Hauptbestandteile des Boreouts rufen Symptome hervor, die der Psyche zuzuordnen sind – und sie sind ähnlich oder gleich der Krankheitszeichen des häufig diagnostizierten Burnout:

  • Traurigkeit und Niedergeschlagenheit
  • Depressionen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Rückenschmerzen
  • Schwindel
  • Antriebslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Tinnitus
  • Infektanfälligkeit
  • Leistungsabfall
  • Desinteresse
  • Gefühl der inneren Leere
  • Verspannungen
  • Unzufriedenheit

Es entsteht das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, überflüssig zu sein und nichts zu leisten. Mitarbeiter mit Boreout versuchen ihre Tätigkeitslosigkeit oder ihr Interesse zu verdecken.

Typische Handlungsweisen von Boreout-Betroffenen

Sie tun geschäftig, wenn Vorgesetzte vorbeikommen. Das kann aus Angst passieren, wenn sie um den Arbeitsplatz bangen.

Mögliche Verhaltensweisen, um das Nichtstun zu verbergen sind auch: Unterlagen auf darunterliegende Zeitschriften legen, klicken auf eine offene Excel-Liste, obwohl Katzenvideos, Online-Shopping oder mehr relevant sind. Oder: Sie spielen vor, etwas aus einem Regal zu holen, obwohl sie sich eigentlich im Gang herumdrücken. Hier ist die wichtige zu setzende Linie: Mitarbeiterbetrug oder verfahrene Situation? Das bedeutet: Werden Kapazitätsplanung, Aufgabenverteilung und Absprachen geführt und wie gut klappt die Kommunikation?

Gut zu wissen: Boreout Symptome treten vermehrt in der Verwaltung und im Dienstleistungsgewerbe auf.

Fürs Nichtstun bezahlt werden?

Oder gleichzeitig behaupten:

Mir kracht die Bude zusammen vor Arbeit?

Zeiten und Aufgaben planen fällt manchen schwer

Ein weiterer Faktor: Starre Arbeitszeiten sorgen mitunter dafür, dass Angestellte Zeit tot schlagen. Das passiert ohne Aufgabe oder problematisches Selbstmanagement, wenn die letzte halbe Stunde nicht sinnvoll genutzt werden kann. Und am Ende des Tages fühlen sie sich erschöpfter als wenn sie viel zu tun hatten und normal ausgelastet wären. Das alles sind Symptome der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns. Im Gegensatz dazu stehen „faule“ Mitarbeiter, die sich möglichst nicht übernehmen wollen, nur das Nötigste machen, sich allein für ihre Anwesenheit bezahlen lassen. Hier lautet das Motto eher: Anpassungsfähigkeit ist nicht nötig.

Somit begegnet Boreout eher den Pflichtbewussten. Die, die für ihr Geld und in ihrer zur Verfügung stehenden Zeit etwas leisten, ihrem Arbeitgeber zuträglich sein und Aufgaben bearbeiten wollen. Sie können mit Zeiten, in denen es zum Bespiel branchenbedingt oder in möglichen Sommerlöchern wenig zu tun gibt, nicht umgehen. Sie sind weniger in der Lage sich selbst eine Beschäftigung zu suchen. Durch Boreout als unterforderungsbedingter Stress entsteht Frust, eine Mitarbeiterbindung ist so nicht gegeben!

Wenn Sie mit solchen Mitarbeitern zu tun haben und Ihnen diese Verhaltensweisen auffallen, lohnt sich ein Pufferspeicher für typische kleinere Aufgaben, z.B. in einem großen Verbesserungsprojekt.

Innere und äußere Kündigung beim Boreout Syndrom

Der Boreout sorgt für Frust – bei Arbeitgebern, betroffenen Mitarbeitern und deren Kollegen. Wann sich aus dem Boreout die innere oder sogar die äußere Kündigung entwickelt, ist unterschiedlich. Einige Mitarbeiter schaffen den Sprung und reden über ihr Problem oder beginnen neue Aufgabenfelder anzugehen. Andere Mitarbeiter richten sich ein, die nächsten nutzen die Arbeitszeit zur Stellensuche.

Innere KündigungÄußere Kündigung
Die Folgen von Boreout Symptomen sind vielschichtig. Im Vordergrund steht die innere, passive Kündigung, bei der nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht wird, keine Ideen eingebracht, Stunden lediglich abgesessen werden.
Bei der äußeren, aktiven Kündigung haben vom Boreout genervte Mitarbeiter die Nase von ihrem Arbeitsplatz voll und suchen nach einer neuen Stelle. Auch sie machen nur noch Dienst nach Vorschrift, haben bereits innerlich gekündigt. Sie sind weg, sobald sich etwas Besseres für sie ergibt.
Auch vertreiben sich Arbeitnehmer die Zeit zum Bespiel mit privaten Gesprächen, Nichts tun, im Internet surfen und vieles mehr. Sie sehen dann ihr Gehalt eher als Entschädigung für ihr Anwesenheit an. Hier geht es vor allem um gut ausgebildete Fachkräfte, die in anderen Betrieben Chancen und Möglichkeiten haben, sich zu entfalten. Aus der festen Anstellung wird gekündigt und ggf. noch Urlaub und unnütze Überstunden gesammelt.
Deshalb sollten Sie als Arbeitgeber es nicht tabuisieren, wenn zu wenig zu tun ist, sondern Lösungen finden. Fachkräfte, die selbst kündigen, nehmen das Wissen und Erlernte aus der „Boreout-Firma“ mit.
Nichtstun kostet unnötig Geld! Motivierte Mitarbeiter gehen verloren!
innere vs. äußere Kündigung

Gelangweilte Mitarbeiter – was tun?

Die Thematik Boreout betrifft auch das gesamte Betriebsklima und die Unternehmenskultur. Bevor Sie Boreout Symptome behandeln müssen, gehen Sie aktiv in Ihren Betrieb und suchen Sie das Gespräch:

  • Achten Sie deshalb darauf, ob die einzelnen Mitarbeiter gut ausgelastet sind – nicht zu viel und nicht zu wenig. Prozessmanagement, Controlling-Methoden und Kapazitätsplanung helfen Ihnen dabei.
  • Suchen Sie freundlich das Gespräch, wenn Sie bemerken, dass nichts zu tun ist oder Sie glauben, dass sich jemand langweilt.
  • Sinnvoll ist es, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, zusätzliche oder andere Aufgaben anzubieten. Seien Sie wachsam, wenn alles abgeschmettert wird, nicht jeder Mitarbeiter lässt sich motivieren.
  • Schaffen Sie ein solches Vertrauen, dass Mitarbeiter sich an Sie wenden, wenn sie zu wenig zu tun haben oder sich unterfordert fühlen – ohne dass sie befürchten müssen, den Arbeitsplatz zu verlieren. Vertrauen wiederherstellen bedeutet auch, nicht in die tiefsten Tiefen des Nichtstuns nachzubohren, wenn eine gemeinsame Lösung möglich scheint.
  • Erstellen Sie einen Pool, ein Potpourri an Aufgaben, die dann erledigt werden können, wenn nichts zu tun ist. Hier bieten sich Routine-Arbeiten an, aber auch das Nachverfolgen angelaufener Aufgaben und Projekte. Weiterbildung und Wissensvermittlung brauchen ebenfalls Zeit und Struktur: Anweisungen überprüfen ist eine wunderbare Daueraufgabe.
  • Wenn dauerhaft nichts zu tun ist, ist ein Stellenabbau besser – aus wirtschaftlichen Gründen und mit einhergehenden Gesprächen zur einvernehmlichen Trennung.
  • Denken Sie vor einer Einstellung über eine passende Auslastung nach. Das gilt auch – oder besonders – für Übernahmen nach einer Ausbildung.

Der 8-Stunden Tag oder mehr Flexibilität geben

Da starre Arbeitszeiten und die Bezahlung nach Wochenstunden vorherrschen, können Sie – wo es möglich und keine Präsenzpflicht erforderlich ist, dafür sorgen mehr Flexibilität herzustellen.

  • Flexible Arbeitszeiten einführen, wo es umsetzbar ist, zum Beispiel mit Zeiterfassung.
  • Gleitzeitregelungen
  • Überstundenabbau ermöglichen durch Zeitkonto
  • Und: Wenn wirklich überhaupt nichts zu tun ist und niemand etwas dafür kann, schicken Sie den Mitarbeiter lieber an diesem Tag früher nach Hause als die Zeit verstreichen zu lassen ohne Konsequenzen.
  • Was zählt, ist letztendlich die erbrachte und vereinbarte Leistung und die Integration und Kommunikation in den Mikrokosmos Betrieb. Es gibt inzwischen genügend Experimente mit Wochenarbeitszeit, Wochentagen und mehr, die zumindest interessant sind. Wenn es bei Ihnen machbar ist, dann fragen Sie nach und starten Sie ein zeitliches Experiment. Aber Vorsicht: Wenn auch hier nur gemurrt wird, liegt mehr im Argen als das Boreout Syndrom und wir raten Ihnen, sich zu Change Management zu informieren.
Boreout: Was als Arbeitgeber tun?

Gedanken zum Boreout Syndrom – unsere Empfehlung für Ihren Betrieb!

Boreout ist in der heutigen Leistungsgesellschaft ein zunehmendes Problem. Mußestunden sind für viele Menschen auch im Privatleben wenig akzeptabel. Wenn am Arbeitsplatz nichts oder zu wenig zu tun ist, lohnt es sich für Sie als Unternehmer genauer hinzusehen. Passt die Aufgabenverteilung, die Kommunikation und wie verhalten sich Ihre Mitarbeiter? Mit klarem Blick und offenen Ohren kann es Ihnen gelingen, einem Boreout Syndrom vorzubeugen und langfristig entgegenzuwirken. Machen Sie es zum Teil Ihrer Unternehmenskultur, ein wohlwollendes und vertrauensvolles Verhältnis zwischen allen zu wahren. Haben sie ein offenes Ohr, dann steigt die Chance, dass Fachkräfte bleiben und Sie die richtigen Mitarbeiter anwerben. Mitarbeiter, die nichts zu tun haben oder sich unterfordert fühlen, trauen sich selten, das offen anzusprechen. Ein möglicher Arbeitsplatzverlust geht mit finanziellen Einbußen einher.

Hinschauen, fördern und Lösungen finden lautet das Motto, um Boreout entgegenzuwirken.

Viele Grüße

Axel Schröder

Bildnachweis: Canva.com © Mlenny