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Buchrezension: Business Analyse – Einfach und Effektiv von Inge Hanschke, Gunnar Giesinger und Daniel Goetze

Business Analyse Rezension
Heute möchte ich Ihnen ein weiteres Buch aus dem Hanser Verlag vorstellen. Das Buch „Business Analyse“ handelt davon, wie man Geschäftsanforderungen versteht und in effektiven IT-Lösungen umsetzen kann.

Das Buch kostet 39,99 € und hat einen broschiertem Einband. Das Buch wurde mir vom Hanser Verlag zum Zwecke dieser Rezension gestellt. Es ist Ende 2012 erschienen.

Äußerer Eindruck

Das Buch hat, wie bereits angesprochen, einen broschierten Einband und einen Gesamtumfang von 314 Seiten inklusive Register.

Was mir beim ersten Eindruck von diesem Buch besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass es ein fest eingebundenes Lesezeichen aus Stoff hat. Dieses habe ich im Laufe des Buches auch recht oft genutzt. Sei es zum Markieren der Stelle, bis zu der ich gelesen hatte, als auch zum Markieren von Abbildungen, auf die ich im Lauf des Buches immer wieder zurückgeschlagen habe.

Insgesamt macht das Buch einen sehr wertigen Eindruck und ist aufgrund des Formats, der Papierqualität und des Druckbildes sehr angenehm zu lesen.

Wer lieber elektronisch auf einem Tablett oder am Notebook liest, z.B. im Zug oder am Flughafen, kann mit dem individuellen Code im Buch das gesamte Buch als elektronisches Werk herunterladen. Gerade diese Möglichkeit, sich die Art des Lesens selbst aussuchen zu können, finde ich großartig und sehr serviceorientiert.

Zum Inhalt

Der erste Überblick

Das Buch gliedert sich insgesamt sind sechs große Kapitel.

  1. Einleitung
  2. Einführung die Businessanalyse
  3. Fiktives Fallbeispiel zum komplette Prozess von der Geschäftsanforderung bis zum IT Projekt
  4. Best-Practice der Businessanalyse
  5. Die Ergebnistypen gebündelte Analyse
  6. Ableitung verschiedener Business Services aus den vorher erarbeiteten Kapitel

An die sechs inhaltlichen Kapitel schließt sich ein umfangreiches Glossar sowie eine sehr respektable Literaturliste sowie ein Register an. Damit sollte es möglich sein, sich in das Thema Business Analyse und Demand Management deutlich vertiefter einzuarbeiten.

Die Kapitel im Detail

Nach diesem ersten Überblick möchte ich nun detaillierter auf die einzelnen Kapitel eingehen.

Das erste Kapitel beinhaltet die Einleitung, die neben einigen grundlegenden Erläuterungen zur Businessanalyse auch ein Wegweiser durch das Buch beinhaltet.

Diese Wegweiser durch das Buch Business Analyse ist nicht in Form eines reinen Inhaltsverzeichnisses dargestellt, sondern ganz im Stile der Businessanalyse in einem Wegweiser-Modell. Anhand dieses Wegweiser-Modells werden die einzelnen Kapitel des Buches und ihre jeweilige Verzahnung zueinander und untereinander sehr übersichtlich dargestellt.

Ich fand diese Darstellung eines Inhaltsverzeichnisses für ausgesprochen pfiffig und sie hat mir auf Anhieb gut gefallen. Ich hatte sofort Lust, vertieft dieses Buch einzusteigen.

Das zweite Kapitel führt in die Businessanalyse und das Demand Management ein.

Was sofort auffällt sind die vielen und reichhaltigen Illustrationen, Abbildungen und Modelldarstellungen, die das Verständnis von dem teilweise sehr abstrakten Thema deutlich verbessern. Ganz im Stile der Verwendung von Ergebnistypen zur Stakeholder-Kommunikation werden diese Empfehlungen im eigenen Buch vorbildlich umgesetzt.

Im Schriftbild schön abgesetzt gibt es immer entsprechende Infoboxen, die mit einem Ausrufezeichen und dunklerem Hintergrund die wichtigsten Inhalte noch einmal prägnant zusammenfassen. Damit ist es möglich, die vorhergehenden Absätze noch einmal zu reflektieren und für sich selbst zu überlegen, ob man diese nur gelesen oder tatsächlich verstanden hat.

Im zweiten Kapitel, dem Einführungskapitel in die Businessanalyse, werden die grundlegenden Wissensbausteine dem Leser vermittelt. Dieses beinhaltet unter anderem eine Definition der Businessanalyse und zeigt damit sofort auf, um was es hier überhaupt geht. Gleich anschließend  werden auch die wichtigsten Ergebnistypen der Businessanalyse Überblick dargestellt, und in den jeweiligen Kontext eingeordnet.

Von der Businessanalyse abgegrenzt wird im Einführungskapitel ebenfalls die Begrifflichkeit des Demand Management. Ebenfalls mit klaren Definitionen, schematischen Einordnungen und abgesetzten Infoboxen wird der Begriff des Demand Management dem Leser näher gebracht.

Im Unter-Kapitel des Demand Managements wird der Leser bereits auf das sich anschließende Fallbeispiel im dritten Kapitel vorbereitet, wie Business Analysten und Information Manager strukturiert vorgehen.

Sehr gut gefallen hat mit ebenfalls im Einführungskapitel zur Business Analyse, die Einordnung und Abgrenzung des Demand Managements in die jeweilige Organisationseinheiten und diversen Management Disziplinen.

Ein sehr schönes Schaubild zeigt damit genau das Zusammenspiel der wesentlichen Managementdisziplinen. Wesentliche Managementdisziplinen sind z.B.:

  • Unternehmensentwicklung und Business-Planung
  • Strategisches Prozessmangement
  • Business Capability Management
  • Enterprise Architecture Management
  • Projektportfolio Management und IT-Strategieentwicklung
  • IT-Betrieb und Warung

Insbesondere die Verzahnung dieser Disziplinen zwischen der Business-Seite und der IT-Seite, die sich ja traditionell nicht verstehen, wird damit sofort deutlich.

Ein klein wenig zaghaft sind die Autoren bei der Einordnung der Businessanalyse und des Demand Managements in die Organisation.

Natürlich haben die Autoren die 99,5 % der (deutschen) Unternehmen im Hinterkopf. Diese müssen an ihrer funktionalen Aufbauorganisation festhalten und damit das Demand Management und die Business Analyse in die jeweiligen Fach-Funktionen einbetten.

Zumindest als Ausblick hätte ich mir gewünscht, wie die Businessanalyse in einer rein prozessorientierten Organisationsform einzubetten wäre. Der Meta-Prozess der Businessanalyse und die Zuordnung zu einem jeweiligen Prozessverantwortlichen auf der Ebene der Unternehmensprozesslandkarte wäre hier noch eine sehr schöne Ergänzung gewesen.

Damit wäre auch deutlich klar gewesen, wer tatsächlich die Kunden der Businessanalyse sind und welchen greifbaren  Output die Prozess- und Businessanalyse liefert. Mit der Einbettung in ene reine Prozessorganisation erhält das Thema noch eine ganz andere Schlagkraft.

Vielleicht wird dies als eine Anregung für eine künftige Auflage, die Businessanalyse im Rahmen einer reinen Prozessorganisation zu verankern, aufgegriffen und im Buch ergänzt.

Im dritten Kapitel wird es sehr konkret und praktisch.

Am Beispiel eines fiktiven Unternehmens, der EasyHaus, wird einmal an einem durchgängigen Fallbeispiel die Businessanalyse durchgespielt. Von den Anforderungen eines neuen Vertriebsmodells der EasyHouse, im Buch genannt „O-Ton Kunde“, bis hin zu den Burn-Down-Diagrammen der Projektumsetzung,wird alles vorgestellt. Damit beinhaltet das dritte Kapitel alles, was man als Business Analyst für eine praktische Anwendung der Businessanalyse zunächst wissen muss.

Dieses Kapitel ist großartig gelungen!

Es hat mir unheimlich viel Freude gemacht, Schritt für Schritt anhand dieses fiktiven Beispiels mitzuverfolgen, wie eine Idee eines Vertriebsmodells konkretisiert und ausgestaltet wird. Das Vertriebsmodell ist unter Einbindung verschiederen Ergebnistypen wie Prozesslandkarte, Swimmlane-Diagramm, Prozessablauf-Diagramm, Use-Case Diagramm, Fachliches Komponentenmodell, Fachliches Klassenmodell, Projektantrag nach und nach entstanden.

Durch die übersichtliche Darstellung anhand vieler Modelle und erläuternden Abbildungen und Grafiken sollte es jedem interessierten Leser gelingen, die jeweiligen Analyseschritte nachzufolgen und für sein eigenes Unternehmen zu reflektieren.

Im vierten Kapitel werden Best-Practice Beispiele genannt, wie man die Businessanalyse optimal im eigenen Unternehmen implementieren und verankern kann.

Ausgangspunkt ist dafür im vierten Kapitel die Erarbeitung eines Reifegradmodells für die Businessanalyse.

Bestandteile des Reifegradmodells sind die drei Dimensionen „Einstieg“, „Fortgeschritten“ und „Experte“. Durch die drei Sekundärdimensionen „Planung und Steuerung“, „Ergebnistypen der Businessanalyse“ und „Organisatorische Verankerung“ entsteht dann eine 9-Felder Matrix, das Reifegradmodell.

Ich persönlich konnte mich in diesen Reifegradmodell selbst sofort zurechtfinden und empfand es als außerordentlich gelungen. Die 9 Felder des Reifegradmodell werden im weiteren Schritt des vierten Kapitels zerlegt. Sie werden anschließend mit jeweils ein bis acht konkreten Beispielen, genannt „Best Practice Bausteine“ weiter ausgeführt.

Anhand dieser Best-Practice Methoden aus den jeweiligen Bereichen des 9 Felder Reifegradmodells können Schritt für Schritt die Methoden im eigenen Unternehmen umgesetzt werden.

Hier zeigt sich wieder die echte Praxisrelevanz dieses Buches!

Im weiteren Verlauf des vierten Kapitels werden nun diese jeweiligen Best-Practice Bausteine vorgestellt und detailliert erläutert.

Sehr gut gefallen hat mir daran, dass im Vorfeld zum jeweiligen Best-Practice Baustein seine Einordnung in das Metamodell noch einmal in Form eines Abbildung vorgestellt wird. So erspart sich der Leser ein ständiges Hin und Her blättern zwischen dem Reifegradmodell und dem jeweiligen Best-Practice-Baustein.

Das fünfte Kapitel widmet sich den Ergebnistypen der Businessanalyse im Detail.

Was bereits im zweiten Kapitel grob erläutert und im dritten Kapitel an einem Fallbeispiel konkret gezeigt wurde, wird nun im fünften Kapitel deutlich vertieft und ausgebaut.

Greifbare Beispiele, wie die jeweiligen Ergebnistypen gewinnbringend eingesetzt werden können, bieten dem Leser sofort Mehrwert.

Gerade die schrittweise Ableitung Top Down wie auch der Einsatz Bottom Up der jeweiligen Ergebnistypen werden sehr schön dargestellt und sehr verständlich erläutert.

Im sechsten Kapitel werden schlussendlich die Business Services eines Unternehmens abgeleitet. Dabei wird eingangs genau erläutert, was Business Services eigentlich sind und in welchen Konstellationen man diese braucht bzw. gebrauchen kann.

Anschaulich wird dies wieder anhand vieler detaillierter Infografiken und Modell-Darstellungen.

Die Ableitung von Business Services ist sicherlich eine wertvolle Methode, um in einem Unternehmen gekapselte Services zu identifizieren, die mit der bestmöglichen IT Unterstützung zum Erfolg  Geschäftsbetrieb beitragen. Gerade bei Fragestellungen nach dem Insourcing oder Outsourcing von Business Services sind diese sehr wertvoll. Außerdem sind Business Services in der Regel stabiler als Prozesslandkarten.

Da ich selbst jedoch aus der Prozessmodellierung und dem Prozessmanagement komme, sind mir persönlich die bekannten Prozesslandkarten und deren Verzahnung über die fachlichen Klassenmodelle, die Use-Cases, die Detail-Prozesse in Swimmlane Darstellung deutlich geläufiger und damit auch lieber. Business Capabilities haben für mich immer ein wenig den Geschmack nach „akademischer Übung“. Das ist aber meine persönliche Wertung zu diesem Thema und hat nichts mit dem Buch selbst zu tun.

Ein außerordentlich gut gelungenes Glossar, eine sehr umfangreiche Literaturliste zur persönlichen Vertiefung und Weiterbildung sowie ein passendes Register mit den jeweils wichtigsten Stichworten runden das Buch inhaltlich ab.

Inhaltlich finde ich das Buch außerordentlich gut gelungen es hat mir viel Freude gemacht dieses Buch zu lesen. Ein ausdrückliches Lob an die drei Autoren für dieses wertvolle Buch!

Was sollte man als Leser mitbringen?

Das Buch ist in einer eingängigen Weise geschrieben, die es auch in diesem Gebiet unerfahrenen Lesern möglich macht, die einzelnen Schritt zu verstehen und nachzuvollziehen.

Verfügt der Leser jedoch über Grundkenntnisse im Prozessmanagement oder der Objektorientierten Systemanalyse und damit über ein Grundwissen an Notation in der BPMN, bzw. hat er bereits erste Erfahrungen mit Use-Case Darstellungen und fachlichen Klassenmodellen gesammelt, wird er deutlich mehr Gewinn aus dem Buch ziehen können.

Hat der Leser diese Grundlagen, macht es noch viel mehr Freude, sich in die jeweiligen Analyseschritte zu vertiefen. Man muss sich nicht erst an die Darstellungsformen gewöhnen, sondern kann sich sofort inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzen.

Die angesprochenen Grundlagen in den Notationen sind für das Verständnis des Buches zwar keine notwendige Voraussetzung, Sie erleichtern den Umgang mit dem Buch jedoch deutlich.

Mitzubringen ist vom Leser eigentlich nur die Freude an der strukturierten Analyse und an der methodisch sauberen Vorgehensweise im Sinne eines klassischen Prozessmanagements oder der objektorientierten Systemanalyse.

Gesamtfazit zum Buch Business Analyse:

Um es kurz zu machen: es ist ein großartiges Buch was mir unheimlich viel Freude bereitet hat zu lesen. Ich kann es nur uneingeschränkt empfehlen!

Das Buch hat mir viele neue Denkansätze näher gebracht hat, die ich bisher zwar intuitiv verwendet, aber oftmals isoliert nebeneinander und nicht in einer derartig logisch strukturierten Vorgehensweise angewendet habe.

Ich kann dieses Buch jedem, der sich näher mit Prozessmanagement beschäftigt oder aber Businessanalyse vertiefte anwenden möchte, nur wärmstens ans Herz legen.

Dieses Buch verdient fünf von fünf Sternen!

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

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