≡ Menu

Buchrezension: Claim-Management von Walter Gregorc und Karl-Ludwig Weiner


Ein Leitfaden für Projektmanager und Projektteam

Das Buch, das in der zweiten Auflage 2009 erschien, stand schon seit längerem ganz oben auf meiner Leseliste. Zum einen, weil es derzeit nur wenige Bücher zum Claim Management gibt, zum anderen, weil ich interessiert war, welche Ansätze aus dem internationalen Projektgeschäft auf Projekte im Handwerk oder im Mittelstand mit regionalem Bezug übertragen werden können.

Um was geht es beim Claim Management?

Es geht im Wesentlichen darum, wie man mit Nachträgen ( = Claims) bzw. mit Abweichungen vom Soll im Projektgeschäft umgeht. Was ist also zu tun, um fremde Ansprüche abzuwehren und eigene Ansprüche durchzusetzen.

Das Buch hat insgesamt 365 Seiten und kostet 49,90 EUR (Stand 01.02.2012). Es unterteilt sich in sieben inhaltliche Kapitel (Seiten 15-196) und einen außerordentlich umfangreichen Anhang (Kapitel 8 Seiten 197-324, Glossar Seiten 324-365).

Das erste Kapitel führt kurz in das Thema Claim-Management ein. Das zweite Kapitel stellt den roten Faden des Buches dar und ab dem dritten Kapitel geht es um die Sache im engeren Sinne.

Das dritte Kapitel stellt (manchmal überspitzt) die typischen Fallen und Probleme im Projektgeschäft dar. Diese Problembeschreibung ist so schön und zutreffend geschrieben, daß sich wohl jeder, der in einem Projektteam mitgearbeitet hat oder selbst Projektleiter war, absolut angesprochen fühlt. Bei mir gab es an vielen Stellen das Erlebnis, von den beiden Autoren „verstanden worden zu sein“.

Nach der treffenden Problemanalyse beschreiben die beiden Autoren die wesentlichen organisatorischen Notwendigkeiten für eine erfolgreiche Abwicklung von Projekten im internationalen Anlagengeschäft. Dies führen sie sehr gut verständlich, leicht lesbar und mit einigen Illustrationen verdeutlicht aus.

Den beiden Autoren geht es im dritten Kapitel in erster Linie darum, ein Verständnis beim Leser zu erzeugen, wo die typischen Probleme im Projektgeschäft liegen und warum es diese Projekte gibt.

Im vierten Kapitel wird sehr detailliert beschrieben, welche Vertragsarten im Projektgeschäft üblich sind (deutsche Werkverträge, VOB/B, FIDIC etc.) und was durch diese Verträge und Rahmenbedingungen geregelt wird oder geregelt werden kann. Anschließend werden Punkt für Punkt die wesentlichen Vertragsbestandteile erörtert, die es nach Ansicht der Autoren wert sind, verhandelt und vereinbart zu werden. Man merkt deutlich, daß das Übel bei mißratenen Projekten leider allzu oft in mangelhaften oder gar ganz ungenügenden Projekt-Verträgen zu suchen ist.

Das fünfte Kapitel des Buches geht nochmals gesondert und vertieft auf die Regelungen der FIDIC Books und Ihrer Anwendung ein. Dieser Teil kann von einem Leser ohne internationale Projektaktivitäten sicherlich übersprungen werden, stellt aber für den interessierten Leser sicher eine Bereicherung dar. Lesenswert in dem Kapitel sind aber sicher die Möglichkeiten der außergerichtlichen Streitbeilegung durch diverse Schiedsgerichte, wenn man eine Offenlegung von Interna in einem ordentlichen Gerichtsverfahren vermeiden möchte. Dieser Punkt ist mit Sicherheit auch für viele Mittelständler von Interesse, auch wenn diese nicht im internationalen Projektumfeld agieren.

Operatives Claim Management wird im sechsten Kapitel beschrieben. Besonders gut gefallen hat mir, daß es nicht nur bei abstrakten oder akademischen Ausführen bleibt, sondern ein ganz konkreter Prozessablauf für ein schlagkräftiges, effizientes Claim-Management vorgestellt wird. Die einzelnen Prozessschritte werden ausführlich beschrieben und mit Beispielen und Mustervorlagen anschaulich verdeutlicht.

Nach Claimerstellung, Claimübergabe, und der Claimverhandlung enden die Ausführungen der beiden Autoren eben nicht, sondern Themen wie Eskalationen, Claimbilanz und Claimcontrolling werden ebenfalls detailliert beschrieben. In dem Buch wird das Thema Claim Management wirklich ganzheitlich betrachtet und aus allen Facetten beleuchtet.

Das siebte, und letzte Kapitel vor den sehr umfangreichen Anhängen geht auf das Umfeld des Claimmanagement ein, um ein umfassendes Bild des Claimmanagements zu zeichnen. Im siebten Kapitel werden daher gut geeignete Claimorganisationen, die Wahl der passenden Claimstrategie, und die Integration des Einkaufsprozesses beschrieben.

Im achten Kapitel befinden sich die umfangreichen Anhänge als Nachschlagewerke. Auszüge aus der VOB/B, die FIDIC-Books, Beispiele von Behinderungsanzeigen, Tagesberichte, Claimerfassungsmatrix und vieles mehr runden das Buch ab.

Fazit zum Buch Claim Management:

Das Buch hat trotz seines ernsten Themas wirklich Spaß gemacht, zu lesen. Das Thema wird umfassend und sehr verständlich erklärt. So sollte es auch Projektanfängern möglich sein, das Nachtragsmanagement in Projekten zu bewerten, zu etablieren oder zu verbessern. Den beiden Autoren ist mit dem Buch sicher der Wurf zum Standardwerk beim Thema Claimmanagement gelungen. Durch die vielen Beispiele, Vorlagen und Diagramme wird der ganze Prozessablauf sehr verständlich.

Das Buch ist in jeder Beziehung lesenswert und erhält von mir 5 von 5 Sternen!

Was man alles aus dem Buch und damit aus dem industriellen Projektgeschäft auf das Handwerk transformieren kann, schreibe ich in einem der nächsten Artikel.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Stimmen Sie bitte ab und helfen Sie mir, die Beiträge weiter zu verbessern!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Abstimmungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...Loading...
Online-Erfolg für Handwerker! Online-Erfolg für Handwerker und Kleinunternehmen DER Meisterkurs für Online-Erfolg im Handwerksunternehmen!

Jetzt klicken & informieren

Einen Kommentar hinterlassen


+ 7 = zwölf