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Buchrezension: Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer von Stefan Merath

Der Weg zum Erfolgreichen Unternehmer-rezension

Wie Sie und Ihr Unternehmen neue Dynamik gewinnen

Es wird Sommer und ich brauch Lektüre. Beim ersten Durchblättern der 7. Auflage von 2012 fällt sofort auf, daß es sich um kein typisches Sachbuch handelt, sondern wohl eher einen Unternehmerroman.

Und mit knapp 450 Seiten nicht um den kürzesten.

Das Buch ist von einem der bekanntesten Unternehmercoachs, Stefan Merath, geschrieben worden. Als Unternehmensberater hat mich brennend interessiert, was er seinen Lesern zu sagen hat. Diese Tatsachen haben mich gereizt, das Buch zu lesen.

Was mir an Büchern grundsätzlich gut gefällt, ist ein vernünftiger Einband und ein Lesezeichen. Das Buch von Stefan Merath hat einen hochwertigen Einband und ein textiles Lesezeichen und verspricht daher eine einfache Handhabung. Pluspunkt.

Nun aber zum Inhalt, wie wird man erfolgreicher Unternehmer?

Dem Inhaltsverzeichnis kann man leider nicht so ganz genau entnehmen, was einem im Buch erwartet. Das Inhaltsverzeichnis erschließt sich einem erst nach dem Lesen des Buches. Aufgrund dieser Tatsache hätte ich es konsequenter gefunden, kein klassisches Inhaltsverzeichnis abzudrucken, sondern es als Mindmap auf einer Doppelseite zu präsentieren. Hätte besser zumInhalt des Buches von Stefan Merath gepasst. Aber nun gut.

Der Prolog

Der Held der Handlung heißt Thomas Willmann, ist Inhaber und Chef einer Software-Bude mit 15 Mitarbeitern und  bricht völlig überarbeitet in einer unschönen betrieblichen Situation mit rückläufigen Umsätzen, einem miesen Betriebsklima und einer zerrütteten Partnerschaft zusammen. Burnout. Vier Wochen Zwangspause.

Am Ende der Zwangspause wird Thomas Willmann von einer befreundeten Unternehmerin der Unternehmercoach Wolfgang Radies empfohlen, mit dem Thomas die nächste Zeit gemeinsam arbeiten wird. Die Coaching-Tage zwischen Thomas Willmann und Wolfang Radies sind damit der wesentliche Teil des Buches.

Fachkraft oder Unternehmer?

Im ersten richtigen Kapitel wird der entscheidende Engpass von Thomas Willmann durch ihn selbst mit Anleitung durch seinen Coach herausgearbeitet. Dabei wird das Prinzip der Ursache-Wirkungs-Diagramme vorgestellt und gezeigt, wie wichtig Modellierung (im Buch nicht mit dem iModeler, sondern „traditionell“ mit einem Flipchart) ist, um nicht nur die Symptome zu erkennen, sondern die tatsächlichen Ursachen einer Krisensituation. Mit diesem Ausgangspunkt wird erarbeitet, was die unterschiedlichen Aufgaben einer Fachkraft, eines Managers und eines Unternehmers ist und wer welchen Kunden zu bedienen hat. Diese Unterschiede sind für Berater und Coachs nicht unbedingt neu, aber im Buch sehr schön herausgearbeitet und sicher für viele Selbständige ein sehr wertvoller Ansatz, die eigene Situation zu überdenken.

Ein ganz wesentlicher Teil des ersten Kapitels, der sich aber wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist die Arbeit an der eigenen Einstellung (im Buch an der Einstellung des Thomas Willmann) zu Begriffen wie Nutzen, Gewinne, Aufträge, Kunden etc. Diese gesamte „Kopfarbeit“, denn sie spielt sich wirklich im Kopf ab und nicht an den eigenen Fähigkeiten, kann man vielleicht als Überarbeitung des eigenen „Mindset“, also seiner grundlegenden Einstellungen und Werte, bezeichnen. Was schon sehr intensiv im ersten Kapitel beginnt, setzt sich über das ganze Buch hindurch fort.

Insofern ist dies der wirklich rote Faden im Buch.

Ebenfalls im ersten Kapitel wird die Mindmap eingeführt, eine Methode, bestimmte Abhängigkeiten voneinander zu visualisieren und in eine Ordnung zu bringen. Hier spricht mir Herr Merath aus der Seele, eine bestimmter Methodenkoffer an Kreativitätstechniken ist außerordentlich hilfreich bei der Bewältigung von bestimmten unternehmerischen Situationen. Dies wird zwar nicht offen ausgesprochen, aber die immer wieder zitierten Fähigkeiten (Mindmaps, Speed-Reading, Memo-Techniken mit Geschichten etc.) zielen immer wieder darauf ab. Da mir diese Techniken aus meinem eigenen Interesse heraus bereits bekannt waren, fühlte ich mich während des Lesens sehr bestätigt.

Themen wie Talent, Fähigkeiten und Stärken werden auf das zurückgeführt, was sie wirklich sind. In der Regel nur besser austrainierte Fähigkeiten als Dinge, in denen man sich untalentiert fühlt und als Schicksal hinnimmt.

Am Ende des ersten Coaching Tages (also nach 124 Seiten) trifft unser Held die Entscheidung, ober er Selbständiger oder Unternehmer werden will. Nach dieser Entscheidung wird das Ergebnis objektiviert, indem ein Dritter mit der Überwachung beauftragt wird.

Erste Schritte

Im zweiten Kapitel nach dem Prolog werden „Ausmist-Konzepte“ vorgestellt, die regelmäßig im Unternehmen durchgeführt werden sollten.

Hier stimme ich Herrn Merath voll zu.

Die Konzepte sind banal einfach, nur macht sie keiner regelmäßig. Die Folge sind ein immer mehr wachsender Speckgürtel und fehlende Prozessverbesserung. Kontinuierliche Verbesserungsprozesse, die wirklich gelebt werden und nicht nur auf dem Papier stehen, helfen hier weiter. Wie wirklich im Unternehmen dauerhaft ausgemistet wird (also alles nach dem Ausmist-Meeting im Buch), überlässt Stefan Merath seinen Lesern. Einen Prozessvorschlag an dieser Ställe hätte ich sehr begrüßt.

Sehr gelungen fand ich hingegen seine Vorschläge, wie man eine Rückübergabe von Aufgaben, für die es andere Kräfte im Unternehmen geben sollte, als den Unternehmer selbst, wirksam vermeiden kann. Diese sind praktikabel und sofort antwendbar, der Leser des Buches einen echten Mehrwert.

Im zweiten Kapitel wird ferner das Unternehmersystem eingeführt – natürlich als Mindmap. Da im Buch viel mit Mindmaps gearbeitet wird, was mir wie oben bereits ausgeführt, sehr gefallen hat, hätte ich auch das Inhaltsverzeichnis als Mindmap gut gefunden, weil es wirklich schön gepasst hätte.

Interessant sind auch die Planungsansätze, die im dritten Kapitel ausführlich vorstellt wurden. Diese dürften sich zu 99% nicht mit den Tagesabläufen der meisten Firmeninhabern / Selbständigen decken. Dies liegt aber unter anderem daran, daß Stefan Merath sauber den Unterschied zwischen Selbständigen bzw. Managern einerseits und Unternehmern andererseits herausgearbeitet hat. Konsequenterweise finden diese Unterschiede auch in den Tagesabläufen ihren deutlichen Niederschlag und regen an, die eigene Situation kritisch zu überdenken.

Am Ende des dritten Kapitels, 125 Seiten später, ist das erste Seminarwochenende des Helden unseres Unternehmerromans zu Ende. Thomas Willmann versucht das gelernte umzusetzen und kommt zunächst recht gut voran.

Werte, Strategie und Vision

Das dritte Kapitel nach dem Prolog widmet sich sehr ausführlich den Themen Werte, Strategie und Vision. Diese Themen beschäftigen mich in meiner eigenen Beratertätigkeit ebenfalls sehr häufig, daher war ich ganz heiß auf dieses Kapitel.

Der Autor Stefan Merath arbeitet auch in diesem Kapitel ganz intensiv mit dem Mindset unseres Helden Thomas Willmann und damit mit dem Mindset des Lesers. Nacheinander werden die Werte der Person Thomas Willmann herausgearbeitet, anschließend auf sein Unternehmen übertragen und schließlich eine Strategie entworfen. Sehr anschaulich wird die Zielgruppe definiert, die Bedürfnisse der Zielgruppe erarbeitet und eine Vision entwickelt, was das Unternehmen in der Zukunft darstellen soll. Die Erarbeitung erfolgt immer mit Fragen durch den Coach, einigen richtigen, aber sehr vielen falschen (bzw. nicht im Sinne des Coachs gegebenen) Antworten und das Zurückführen auf den „Weg der Tugend“, was ein Unternehmer zu tun und zu lassen hat.

Ich denke, hier wird auch sanft durch den Autor Stefan Merath darauf hingearbeitet, dem Leser auf den Weg zu geben, daß die Erarbeitung einer wertebasierten Vision und einer zielgerichteten Strategie zur Erreichung der Vision nicht in Einzelhaft im stillen Kämmerlein stattfinden sollte, sondern im kritischen Gespräch mit einem Coach oder einem Unternehmensberater, der selbst ein Unternehmen führt.

Die aus den Vorkapiteln eingeführten Mindmaps zum Unternehmersystem und den Aufgaben eines Unternehmers werden ergänzt und ein ganzes Stück detaillierter ausgearbeitet.  Nach rund 100 Seiten endet auch diese Kapitel und wie sollte es in einem guten Roman auch anders sein, unser Held Thomas Willmann beginnt die ersten Fehler zu begehen.

Persönlichkeitsentwicklung

Im vierten Kapitel geht es, wie die Kapitelüberschrift vermuten lässt, um die Entwicklung der Unternehmerpersönlichkeit. Dabei wird die Wichtigkeit regelmäßiger, für die Aufgaben des Unternehmers passender Seminarteilnahmen ebenso betont wie die Veränderung von Glaubenssätzen mit den Prinzipien des neurolinguistischen Programmierens (NLP). Wesentlicher Schwerpunkt in dem mit rund 40 Seiten eher knappen Kapitel ist der Umgang mit der Panik des Romanhelden Thomas Willmann, stellvertretend für den Leser. Die Ansätze sind sehr interessant, funktionieren aber nur mit professioneller Anleitung eines NLP-Profis. Insofern dürfte das Interesse des Lesers an diesen Techniken geweckt sein, einen selbst umsetzbaren Mehrwert kann der Leser nur bedingt aus dem Kapitel ziehen.

Durchbruch

Im fünften Kapitel (14 Seiten) nähert sich der Held Thomas Willmann durch ein böses Bankschreiben der Existenzkrise, sprich, seinem Unternehmen droht die Insolvenz. Daraufhin rast er in die Alpen und überwindet eine alte mentale Barriere.

Zielgerade

Das sechste Kapitel beschreibt die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten ohne Banken, um die großartige Idee des Unternehmers Thomas Willmann in die Realität umzusetzen. Alle haben seinen visionären Geist eingeatmet und arbeiten wie die Verrückten… Nach 30 Seiten hat der Leser die Räuberpistole auch geschafft.

Ernte

Das achte Kapitel löst die Geschichte auf und verrät dem Leser, wie sich Thomas Willmann entscheidet. Um die Spannung den Lesern nicht zu nehmen, werde ich sie natürlich nicht verraten.

Fazit zum Buch „Der Weg zum erfolgreichen Unternehmer“ von Stefan Merath

Die ersten 340 Seiten des Buches (also bis einschließlich dem Kapitel „Werte, Strategie und Vision“ sind wirklich erstklassig und regen viel zum Nachdenken über die eigene Situation an. In diesen Kapiteln kann der Leser viele Inspirationen und Aufforderungen zum eigenen Handeln mitnehmen. Wer das Buch aufmerksam liest und sich in die Person Thomas Willmann hineinversetzt, hat ein recht umfangreiches Aufgabenpaket abzuarbeiten. Es empfiehlt sich, Papier und Stift bereit zu halten um eigene Ideen, die einem beim Lesen zwangsläufig kommen, gleich notieren zu können. Man ist also gefordert, mit dem Buch zu arbeiten. Diesen Ansatz finde ich wirklich klasse!

Das vierte Kapitel „Persönlichkeitsentwicklung“ ist sicher richtig dargestellt und enthält viele Ansätze zum Umgang mit den eigenen Glaubenssätzen. Allerdings wird der „normale“ Leser ohne einen erfahrenden NLP-Coach aus diesem Kapitel keinen eigenen Mehrwert ziehen können.

Die folgenden drei Kapitel sind mir persönlich zu viel Räuberpistole und nach meinem Dafürhalten ein wenig zu dick aufgetragen. Natürlich macht es Freude zu lesen, wie es dem Helden Thomas Willmann ergeht, aber mir war es einfach eine Nummer zu viel.

Auch habe ich zu gewissen Themen eine andere Meinung als der Autor Stefan Merath, insbesondere seine Kritik an der bekannten Managementliteratur teile ich nicht in allen Punkten. Es gibt ganz hervorragende Werke, die ich absolut nicht missen möchte, gelesen zu haben und die Autoren Norton, Kaplan, Porter, Drucker und andere gehören auf jeden Fall dazu.

Der Autor Stefan Merath grenzt sich ganz bewußt von der Betriebswirtschaft und der üblichen Literatur ab, was zu neuen Denkansätzen bei mir geführt hat, aber letztlich mich in meiner Meinung bestärkt, daß das Buch und die darin vermittelten Ansätze von Stefan Merath eine ganz hervorragende Ergänzung, aber keine Ersetzung von fundierten betriebswirtschaftlichen Kenntnissen ist.

Ich bereue keine Sekunde, das Buch gelesen zu haben und finde, daß es seien Preis wert ist. Wären die letzten 100 Seiten des Buches im Stile der ersten 340 Seiten gewesen, hätte ich 5 von 5 Sternen vergeben, so bekommt das Werk 4 von 5 Sternen.

Manch Leser mag das anders sehen und vergibt die volle Punktzahl, aber eine gewisse Subjektivität liegt wohl in jeder Rezension.

Haben Sie auch das Buch gelesen? Ich freue mich über Ihre Meinung zum Buch!

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder


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