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Buchrezension 📙 Geschäftsmodelle entwickeln von Gassmann, Frankenberger und Csik

Geschäftsmodelle entwickeln Rezension
Die Liste der Literatur über das Gründerthema Geschäftsmodell ist mittlerweile ziemlich lang. Einen interessanten Zuwachs hat diese Liste 2013 mit dem Buch „Geschäftsmodelle entwickeln“ von Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger und Michaela Csik, bekommen. Ob das Buch eine lesenswerte Ergänzung oder nur alter Wein in neuen Schläuchen ist, möchte ich in diesem Artikel herausarbeiten. Das bekannteste Buch aus dieser Liste dürfte „Business Model Generation“ sein.

Das Buch wurde mir vom Hanser Verlag zur Rezension überlassen, wofür ich mich sehr bedanke.

„Geschäftsmodelle entwickeln“ in der Hand

Das Buch ist fest eingebunden, hat rund 300 Seiten und lässt sich vom Format und der Papierqualität angenehm lesen. Es liegt griffig in der Hand.

Für alle, die lieber mit eBook-Readern oder am PC lesen, kann das gesamte Buch mit dem angegebenen Code heruntergeladen werden. Ich finde das eine gute Lösung, um beiden Lesergruppen gerecht zu werden, wenn gleich ich als altmodischer Blätterer die handfeste Variante bevorzuge.

Zum Inhalt des Buches „Geschäftsmodelle entwickeln“

Das Buch besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil wird das zugrundeliegende Konzept zur Erarbeitung und Umsetzung von Geschäftsmodellen mit dem St. Gallener Business Model Navigator™ vorgestellt.

Im zweiten Teil findet der Leser eine umfangreiche Sammlung an verschiedenen Geschäftsmodellmustern. Vorgestellt werden im zweiten Teil von „Geschäftsmodelle entwickeln“ insgesamt 55 verschiedene Muster. Der dritte Teil beinhaltet Hinweise auf Software und Coaching durch die Autoren, sowie die Stichwort-, Firmen- und Literaturregister.

Teil 1 des Buches

Im ersten Kapitel des Buches mit 55 innovativen Konzepten wird allgemein in das Thema Geschäftsmodelle eingeführt. Zuerst werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt, bei denen es erfolgreiche Unternehmen geschafft haben, ihr Geschäftsmodell an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Andere sind daran gescheitert. Im Anschluss führen Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger und Michaela Csik in das eigene Verständnis von Geschäftsmodellen ein.

Der Ansatz des St. Gallener Business Model Navigator™ konzentriert sich auf vier Dimensionen:

  • Wer?
  • Was?
  • Wie?
  • Wert?

Hierbei wird bewusst auf die Business Model Canvas von „Business Model Generation“ hingewiesen. Diese erscheinen den Autoren zu komplex und nach deren Ansicht in Workshops weniger geeignet. Der auf 4 Dimensionen reduzierte Ansatz des St. Gallener Business Model Navigator™ sei hierfür besser geeignet.

Ich persönlich teile diese Ansicht nicht. Mir hat die Canvas aus „Business Model Generation“ als wirklich durchdachtes Werkzeug bei vielen Kundenprojekten hervorragende Dienste geleistet. Gleichwohl halte ich es mittlerweile für schwer, einen neuen Ansatz zur Modellierung und Diskussion von Geschäftsmodellen in die Fachliteratur einzubringen. Aus dieser Sichtweise heraus ist es verständlich, warum man sich bewusst auf die vier Dimensionen konzentriert hat.

Von der Idee zum Modell

Das zweite Kapitel beschreibt anschaulich den Prozess, wie man von einer Geschäftsmodellidee zu einem tragfähigen und eingesetzten Geschäftsmodell im Unternehmen kommt. Vier ausführliche und anschaulich beschriebene Unterkapitel zeigen, wie man von der Umweltanalyse zur Adaption von Geschäftsmodellmustern kommt. Und wie man diese als tragfähiges Geschäftsmodell ausgestaltet und umsetzt. Damit ist das zweite Kapitel das Herzstück aus dem ersten Teil des Buches.

Gut gefallen hat mir der Einsatz von Kreativitätstechniken und die Empfehlung, selbige im eigenen Denken, wie im eigenen Unternehmen als Geisteshaltung anzuwenden. Ob der Hinweis auf TRIZ an dieser Stelle dem Leser eine wirkliche Hilfe ist, sei dahingestellt. TRIZ als Methode dürfte einen Großteil all derjenigen, die sich nicht intensiv mit TRIZ auseinandergesetzt haben , überfordern. (Hinweis: über TRIZ gibt es ebenfalls ganze Regalreihen an Literatur)

Im dritten Kapitel werden interessante und hilfreiche Tipps zum Wandel im Unternehmen gegeben. Damit ist das dritte Kapitel für mich eine schöne Zusammenfassung der Methoden des Change-Managements. Den Autoren gelingt es, auf die kritischen Punkte und typischen Probleme hinzuweisen und mit konkreten Vorschlägen auf diese einzugehen. Das dürfte es deutlich erleichtern, einen Wandel im Unternehmen grundsätzlich, insbesondere einen Wandel am Geschäftsmodell, zum Erfolg werden zu lassen.

Damit sind im ersten Teil des Buches die theoretischen Grundlagen gelegt, um im zweiten Abschnitt des Navigators auf die einzelnen Geschäftsmodellmuster einzugehen.

Geschäftsmodelle entwickeln

Geschäftsmodelle entwickeln

Teil 2 des Buches

Im zweiten Teil werden die 55 unterschiedlichen Konzepte einzeln vorgestellt. Die Autoren gehen in alphabetischer Reihenfolge nach den Musternamen vor.

Jedes innovative Konzept wird unter der Überschrift „Das Muster“ zunächst vorgestellt. Daran schließt sich eine Darstellung des Ursprungs des Musters an. Mit der Überschrift „Die Innovatoren“ folgt ein Abschnitt über bestimmte Unternehmen. Diese haben das Muster aufgegriffen und (erstmalig) auf ein anderes Feld des unternehmerischen Wirtschaftens übertragen haben.

Auf diese Art wird jedes Geschäftsmodell-Muster in zwei bis drei Seiten beschrieben.

Im dritten Teil des Buches findet der Leser Arbeitshilfen, Literaturhinweise, Softwarehinweise und die Verzeichnisse.

Wie ist das Buch?

In diversen Rezensionen kommt das Buch zum Navigator, im Vergleich zu „Business Model Generation“, nicht gut weg. Ich habe vielfach gelesen, dass „Geschäftsmodelle entwickeln“ im ersten Abschnitt guten Anklang findet. Im zweiten Teil, den jeweiligen Geschäftsmodellmustern, aber stark nachlassen würde.

Dem kann ich nicht zustimmen, ich habe eine andere Sicht auf das Buch. Mir persönlich liegt die Canvas aus „Business Model Generation“ eher und ist mir eingängiger, als der St. Galler Business Model Navigator™. Die theoretischen Grundlagen im Teil 1 des Buches sind mir im Vergleich zur Canvas der „Business Model Generation“ zu einfach gestrickt.

Sehr gut gelungen finde ich den Prozess zur Entwicklung eines Geschäftsmodells. Hier liegt der St. Galler Navigator, meiner Meinung nach, inhaltlich auf gleichem Niveau wie „Business Model Generation“, Kapitel Prozess.

Viele bezeichneten den zweiten Teil des Buches mit den Konzepten zu Geschäftsmodellinnovationen als eher schwach. Ich finde, er ist das Herzstück des Buches und außerordentlich gut gelungen. Mir persönlich reichen die zwei bis drei Seiten Beschreibung des jeweiligen Geschäftsmodells. Die Literaturhinweise im Anhang dienen zur vertieften Einarbeit in das ein oder andere Modell.

Anspruch der Autoren

Das Buch hat den Anspruch, die erforschten Geschäftsmodelle vollständig zu benennen und in groben Zügen verständlich darzustellen. Das ist den Autoren auf hervorragende Weise gelungen. Ich kann mich der Kritik zum zweiten Teil des Buches nicht anschließen.

Im Gegenteil, ich finde es gut zu lesen, verständlich und ausgezeichnet gelungen. Die Vollständigkeit der Muster fand ich klasse. Hier hat das Buch „Geschäftsmodelle entwickeln“ deutliche Stärken im Vergleich zum Kapitel Muster der „Business Model Generation“.

Besonders nett finde ich den „U-Bahn-Plan“ der Geschäftsmodelle in der Einbandtasche. Die Autoren haben die 55 Geschäftsmodellmuster als U-Bahn Plan abgetragen. In chronologischer Abfolge wurden namhafte Unternehmen eingetragen, die eines oder mehrere der Muster anwenden. Gerade durch die Anwendung von mehreren Mustern entstehen Knoten wie „Umsteigebahnhöfe“. Mir ist aufgefallen, dass gerade die außergewöhnlich agilen und erfolgreichen Unternehmen häufig mehrere Muster anwenden und miteinander verknüpfen. Hierin liegt wohl eines der Erfolgsrezepte der derzeitigen Unternehmenssterne.

Welches Buch soll man nun lesen? „Business Model Generation“ oder „Geschäftsmodelle entwickeln“?

Meine klare Empfehlung: Beide!

Diese beiden Bücher ergänzen sich auf wunderbare Weise, wie ich es selten von Büchern erlebt habe. Beide Bücher haben Ihre absoluten Stärken. „Business Model Generation“ mit der Canvas, „Geschäftsmodelle entwickeln“ mit den Mustern. Vielleicht liegt es daran, dass beide Bücher Schweizer Wurzeln haben.

Vielleicht treffen sich die Autoren und schreiben gemeinsam ein neues Werk, in das jeder seine Stärken einbringt. Ich bin mir sicher, dass ein solches Buch das absolute Standardwerk zum Thema Geschäftsmodelle wäre.

Es grüßt aus Bayreuth

Axel Schröder

Bonustipp zu „Geschäftsmodelle entwickeln“

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