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Buchrezension 📙 Geschäftsmodelle entwickeln von Gassmann, Frankenberger und Csik

Geschäftsmodelle entwickeln Rezension
Die Liste der Literatur über das Gründerthema Geschäftsmodell ist mittlerweile ziemlich lang. Das bekannteste Buch aus dieser Liste dürfte Business Model Generation sein.

Seit Juni 2013 hat diese Liste mit dem Buch „Geschäftsmodelle entwickeln“ einen interessanten Zuwachs bekommen. Ob das Buch wirklich eine lesenswerte Ergänzung oder nur alter Wein in neuen Schläuchen ist, möchte ich in diesem Artikel herausarbeiten.

Das Buch wurde mir vom Hanser Verlag zur Rezension überlassen, wofür ich mich sehr bedanke.

Geschäftsmodelle entwickeln in der Hand

Das Buch ist fest eingebunden, hat rund 300 Seiten und lässt sich vom Format und der Papierqualität angenehm lesen. Es liegt griffig in der Hand.

Für alle, die lieber mit eBook-Readern oder am PC lesen, kann das gesamte Buch auch mit dem angegebenen Code heruntergeladen werden. Ich finde das eine gute Lösung vom Hanser Verlag, um beiden Lesergruppen gerecht zu werden, wenn gleich ich als altmodischer Blätterer davon noch keinen Gebrauch gemacht habe.

Zum Inhalt des Buches Geschäftsmodelle entwickeln

Das Buch besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil wird das zugrundeliegende Konzept zur Erarbeitung und Umsetzung von Geschäftsmodellen mit dem St. Gallener Business Model Navigator™ vorgestellt.

Im zweiten Teil findet der Leser eine ziemlich umfangreiche Sammlung von verschiedenen Geschäftsmodellmustern. Vorgestellt werden im zweiten Teil von Geschäftsmodelle entwickeln insgesamt 55 verschiedene Muster. Der dritte Teil beinhaltet Hinweise auf Software und Coaching durch die Autoren sowie die Stichwort-, Firmen- und Literaturregister

Teil 1 von Geschäftsmodelle entwickeln

Im ersten Kapitel von Geschäftsmodelle entwickeln wird allgemein in das Thema Geschäftsmodelle eingeführt. Zuerst weden einige Beispiele aus der Praxis vorgestellt, bei denen es erfolgreiche Unternehmen geschafft haben, ihr Geschäftsmodell an veränderte Umweltbedingungen anzupassen während andere Unternehmen daran gescheitert sind. Danach führen die Autoren Gassmann, Frankenberger und Csik in das eigene Verständnis von Geschäftsmodellen ein.

Der Ansatz des St. Gallener Business Model Navigator™ konzentriert sich auf vier Dimensionen:

  • Wer?
  • Was?
  • Wie?
  • Wert?

Dabei wird bewusst auf die Business Model Canvas von Business Model Generation hingewiesen. Diese erscheinen den Autoren zu komplex und nach deren Ansicht in Workshops weniger geeignet, als der auf 4 Dimensionen reduzierte Ansatz des St. Gallener Business Model Navigator™.

Ich persönlich teile diese Ansicht der Autoren nicht, da mir die Canvas aus Business Model Generation als wirklich durchdachtes Werkzeug bei vielen Kundenprojekten hervorragende Dienste geleistet hat. Gleichwohl halte ich es mittlerweile für sehr schwer, einen neuen Ansatz zur Modellierung und Diskussion von Geschäftsmodellen in die Fachliteratur einzubringen. Aus dieser Sichtweise heraus ist es verständlich, warum man sich ganz bewusst auf die vier Dimensionen konzentriert hat.

Das zweite Kapitel beschreibt hingegen sehr anschaulich den Prozess, wie man von einer Geschäftsmodellidee zu einem tragfähigen und eingesetzten Geschäftsmodell im Unternehmen kommt. Vier ausführlichen und sehr anschaulich beschriebenen Unterkapiteln zeigen, wie man von der Umweltanalyse zur Adaption von Geschäftsmodellmustern kommt und diese schlußendlich als tragfähiges Geschäftsmodell ausgestaltet und umsetzt. Damit ist das zweite Kapitel auch das Herzstück aus dem ersten Teil des Buches.

Gut gefallen hat mir der Einsatz von Kreativitätstechniken und die deutliche Empfehlung, selbige im eigenen Denken wie im eigenen Unternehmen als Geisteshaltung anzuwenden. Ob der Hinweis auf TRIZ an dieser Stelle dem Leser eine wirkliche Hilfe ist, sei aber dahingestellt. TRIZ als Methode dürfte fast alle, die sich nicht intensiv mit TRIZ auseinandergesetzt haben (und über TRIZ gibt es ebenfalls ganze Regalreihen an Literatur), überfordern.

Im dritten Kapitel werden sehr interessante und hilfreiche Tipps zum Wandel im Unternehmen gegeben. Damit ist das dritte Kapitel für mich eine sehr schöne Zusammenfassung der Methoden des Change-Managements. Den Autoren gelingt es, auf die kritischen Punkte und typischen Probleme hinzuweisen und mit konkreten Vorschlägen auf diese einzugehen. Das dürfte es deutlich erleichtern, einen Wandel im Unternehmen ganz grundsätzlich, besonders aber einen Wandel am Geschäftsmodell zum Erfolg werden zu lassen.

Damit sind im ersten Teil des Buches die theoretischen Grundlagen gelegt, um im zweiten Teil des Buches Geschäftsmodelle entwickeln auf die einzelnen Geschäftsmodellmuster einzugehen.

Teil 2 des Buches Geschäftsmodelle entwickeln

Im zweiten Teil werden die 55 unterschiedlichen Muster an Geschäftsmodellen einzeln vorgestellt. Die Autoren gehen dabei alphabetisch nach den Musternamen vor.

Dabei wird jedes Muster unter der Überschrift „Das Muster“ zunächst vorgestellt. Daran schließt sich eine Darstellung des Ursprungs des Musters an. Mit der Überschrift „Die Innovatoren“  folgt ein Abschnitt über Unternehmen, die das Muster aufgegriffen und (erstmalig) auf ein anderes Feld des unternehmerischen Wirtschaftens übertragen haben.

Auf diese Art wird jedes Geschäftsmodell-Muster in zwei bis drei Seiten beschrieben.

Im dritten Teil des Buches findet der Leser Arbeitshilfen, Literaturhinweise, Softwarehinweise und die Verzeichnisse.

Wie ist das Buch Geschäftsmodelle entwickeln?

In diversen Rezensionen kommt das Buch im Vergleich zu Business Model Generation nicht so gut weg. Ich habe vielfach gelesen, daß Geschäftsmodelle entwickeln im ersten Teil guten Anklang findet und im zweiten Teil, den jeweiligen Geschäftsmodellmustern stark nachlassen würde.

Dem kann ich nicht zustimmen, ich habe eine ganz andere Sicht auf das Buch. Mir persönlich liegt die Canvas aus Business Model Generation eher und ist mir eingängiger, als der St. Gallener Business Model Navigator™. Die theoretischen Grundlagen im Teil 1 des Buches sind mir im Vergleich zur Canvas der Business Model Generation zu einfach gestrickt.

Sehr gut gelungen finde ich hingegen den Prozess zur Entwicklung eines Geschäftsmodells. Hier liegt das Buch inhaltlich sicher auf gleichem Niveau wie Business Model Generation, Kapitel Prozess.

Viele bezeichneten den zweiten Teil des Buches mit den Geschäftsmodellmustern als eher schwach. Ich hingegen finde, er ist das Herzstück des Buches und außerordentlich gut gelungen. Mir persönlich reichen die zwei bis drei Seiten Beschreibung des jeweiligen Geschäftsmodells und die Literaturhinweise im Anhang, um mich in das eine oder andere Modell vertieft einzuarbeiten.

Das Buch hat den Anspruch, die erforschten Geschäftsmodelle vollständig zu benennen und in groben Zügen verständlich darzustellen. Das ist den Autoren auch auf hervorragende Weise gelungen. Ich kann mich der Kritik am zweiten Teil des Buches nicht anschließen.

Ganz im Gegenteil, ich finde es gut zu lesen, verständlich und sehr gut gelungen. Die Vollständigkeit der Muster fand ich klasse. Hier hat das Buch Geschäftsmodelle entwickeln deutliche Stärken im Vergleich zum Kapitel Muster der Business Model Generation.

Ganz besonders nett finde ich den „U-Bahn-Plan“ der Geschäftsmodelle in der Einbandtasche. Die Autoren haben die 55 Geschäftsmodellmuster als U-Bahn Plan abgetragen. In chronologischer Abfolge wurden namhafte Unternehmen eingetragen, die eines oder mehrere der Muster anwenden. Gerade durch die Anwendung von mehreren Mustern entstehen Knoten wie „Umsteigebahnhöfe“. Mir ist aufgefallen, daß gerade die besonders agilen und erfolgreichen Unternehmen sehr häufig mehrere Muster anwenden und miteinander verknüpfen. Hierin liegt wohl eines der Erfolgsrezepte der derzeitigen Unternehmenssterne.

Welches Buch soll man nun lesen? Business Model Generation oder Geschäftsmodelle entwickeln?

Meine ganz klare Empfehlung: Beide!

Diese beiden Bücher ergänzen sich auf so wunderbare Weise, wie ich es selten von Büchern erlebt habe. Beide Bücher haben Ihre absoluten Stärken. Business Model Generation mit der Canvas, Geschäftsmodelle entwickeln mit den Mustern. Vielleicht liegt es ja daran, daß beide Bücher Schweizer Wurzeln haben.

Vielleicht treffen sich die Autoren und schreiben gemeinsam ein neues Werk, in das jeder seine Stärken einbringt. Ich bin mir sicher, daß ein solches Buch das absolute Standardwerk zum Thema Geschäftsmodelle wäre.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

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