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Der Blaue Ozean als Strategie – ein Strategieklassiker, den man gelesen haben muss

Blauer Ozean Strategie Rezension
Strategiebücher gibt es sehr viele am Markt, aber kaum eines hat so viel Resonanz gefunden wie „Der blaue Ozean“. Obwohl das Buch mittlerweile fast 10 Jahre am Markt und für das Frühjahr 2016 eine Neuauflage geplant ist, habe ich das Buch für Sie gelesen.

Wie man neue Märkte schafft, wo es keine Konkurrenz gibt. Alleine der Untertitel bringt jeden Unternehmer zum Träumen oder zum Abwinken. Gibt es wirklich Muster für außergewöhnlichen Erfolg? Ich war sehr gespannt…

Erster Eindruck

Das Buch aus dem Hanser Verlag ist fest eingebunden und liegt haptisch angenehm in der Hand. Es hat rund 220 Seiten und davon einen etwa 50 Seiten starken Anhang mit ergänzenden Erläuterungen.

Gegliedert ist es in drei wesentliche Teile.

Teil 1 beschäftigt sich mit den Grundlagen der Strategien zur Eroberung blauer Ozeane (SEO), Teil 2 mit der Formulierung dieser Strategien und Teil 3 mit der praktischen Umsetzung.

Strategien zur Eroberung blauer Ozeane

Im ersten Teil geht es um die Grundlagen und die Erkenntnis, dass manche Unternehmen einen rasanten, ja fast schon aberwitzigen Wachstumskurs hingelegt haben, während andere sich nur sehr langsam fortentwicklen.

Das promintente Beispiel ist immer wieder Cirque du Soleil, das den Markt für Unterhaltung völlig umgekrempelt hat. Es folgt von den beiden Autoren W. Chan Kim und Renée Mauborgne eine sehr spannende Analyse der Ursachen. Spannend deshalb, weil sich die enormen Entwicklungen von Unternehmen nicht an deren Größe, Branche oder Alter festmachen ließen. Mit diesen „traditionellen Kenndaten“ lassen sich eben keine Muster feststellen.

Die beiden Autoren des Blauen Ozeans erklären anschließend sehr verständlich ihre Definition eines „Blauen Ozeans“.  Das Gegenteil is der „rote Ozean“, im dem die Mehrzahl der Unternehmen um Erfolg und Aufmerksamkeit kämpfen.

Eine sehr übersichtlich gestaltete Tabelle zeigt die strategischen Optionen für rote und blaue Ozeane auf. Sie beinhaltet auch wichtige Faktoren wie Risiken bei der Suche, Planung und Größe von Marktgrenzen.

Gut gefallen hat mir das Unterkapitel „Tools und Formate für die Analyse“. Hie geben die beiden Autoren dem Leser wieder anhand von realen Unternehmen leicht anzuwendende Werkzeuge an die Hand.

Das sicher wertvollste Werkzeug des Buches ist die strategische Kontur, die immer wieder verwendet wird, um die Unterschiede zwischen erfolgreichen und erfolglosen Unternehmen aufzuzeigen. Dies geschieht so überzeugend und einleuchtend, dass man Lust hat, sofort die strategische Kontur der eigenen Branche unter die Lupe zu nehmen. Hilfreich ist es sicher, wenn man sich die Konkurrenzanalyse (5 forces nach Porter) zumindest mal kurz gehört hat, das erleichtert die Analyse der eigenen Branche deutlich.

Formulierung von SEOs

Mit dem Wissen um blaue Ozeane und dem Werkzeug der Strategischen Kontur ausgestattet geht es im zweiten Teil des Buches um das „Umkrempeln“ ganzer Märkte. Was sich als visionär oder utopisch anhört, wurde in der Vergangenheit von einer Vielzahl von Unternehmen erfolgreich praktiziert.

Apple hat mit seinem revolutionären Smartphone ohne Tastatur (iPhone) eine ganze Kommunikationsbranche nachhaltig verändert. Nicht nur im Bereich der Hardware, sondern auch in der Software, der Nutzung und der Bereitstellung von ergänzenden Angeboten dritter Unternehmen, die auf den Zug mit aufgesprungen sind. Beispiel dafür sind Internet-Flatrates für wenige Euros im Monat, was vor 10 Jahren noch völlig undenkbar war.

Im zweiten Teil des Buches werden sehr verständlich Suchpfade erklärt, wie man auf die Nutzeninnovation stößt, die es möglich macht, den Markt und die Branche zu revolutionieren. Verschiedene Tabellen und Abbildungen sorgen dabei für das notwendige Verständnis und geben einfache „Papier & Bleistift“ Werkzeuge an die Hand, mit denen der Leser selbst arbeiten kann. Ein Beispiel hierfür ist die Käufer-Nutzen-Matrix.

Umsetzung von SEOs

Der dritte Teil widmet sich ausführlich der Umsetzung der Strategien zur Eroberung blauer Ozeane. Dabei trifft man in jedem Unternehmen auf die gleichen Hürden und Widerstände, wenn es um Änderungen (Change Management) geht.

Zuerst wird alles kaputt geredet und Skeptiker versuchen mit allen lauteren und unlauteren Mitteln den Status Quo im Unternehmen zu behalten.

Daher widmen die beiden Autoren W. Chan Kim und Renée Mauborgne eine längere Passage der Überwindung der entscheidenden Hürden in der Organisation und dem effektiven Einsatz von sehr begrenzten Ressourcen.

Immer an praktischen Beispielen zeigen die beiden Autoren auf, wie man die vier elementaren Hürden aus dem Weg räumt. Die Bewusstseinshürde, die Ressourcenhürde, die Motivationshürde und die politische Hürde.

Ein weiteres elementares Kapitel im dritten Teil widmet sich der Umsetzung der Strategie. Es schließt sich also an die „Bremsen bevor es losgeht“ an und kümmert sich um „Bremsen beim machen“. Das Mittel der Wahl ist nach den Autoren des Buches „Der Blaue Ozean als Strategie“ Gerechtigkeit. Es es damit auf sich hat, lesen Sie lieber selbst.

Meine Meinung zum Buch

Man merkt an verschiedenen Stellen, dass das Buch in die Jahre gekommen ist. Gerade wenn es umso dynamische Themen wie „ganze Brachen umkrempeln“ geht. Auch hat das Buch mit seinen Beispielen einen deutlichen Fokus auf US-Unternehmen und die amerikanische Startup und Gründermentalität. Das ist nicht als negativ zu werten, dürfte aber für manchen Leser, der mit der amerikanischen Gründungs- und Scheiternskultur nicht vertraut ist, ungewohnt sein.

Was mich an dem Buch fasziniert hat, sind die methodischen Ansätze wie die strategische Kontur oder die Kunden-Nutzen-Matrix. Diese Ansätze lassen sich ganz hervorragend für die Analyse und Standortbestimmung auch traditioneller Branchen wie Metzgereien oder Malerbetriebe nutzen, aber natürlich auch für das Online-Business.

Ich fand das Buch leicht und eingängig zu lesen und ich freue mich auf die nächste Auflage.

Daher mein Ratschlag: Manch einen Klassiker muss man einfach gelesen haben!

Mit bestem Gruß aus Bayreuth,
Axel Schröder

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