Menu

Flip-Flop-Technik – Kreativität und Kreativitätstechniken für Handwerker und Selbständige

Flip-Flop-Technik
Kreativität ist erlernbar!

Kreativität ist erlernbar!

Flip-Flop nicht nur in der Turnhalle, sondern auch im Handwerk…

Die Flip-Flop Methode, oder auch Umkehrmethode genannt, ist eine meiner liebsten Kreativitätstechniken, weil sie enorm viel Spaß bringt und nebenbei unglaublich gute Ergebnisse liefert.

Die Flip-Flop-Methode macht es sich zu Nutze, daß Menschen eher schwarzsehen, das Haar in der Suppe suchen und grundsätzliche Pessimisten sind. Probleme, Widerstände und Fehler eines Projektes oder einer Aufgabe werden viel schneller erkannt und gesehen, als die Chancen, Lösungsmöglichkeiten oder Entwicklungsschritte.

Dies gilt im besonderen Maße, wenn eine Situation schon seit längerer Zeit unbefriedigend ist und Versuche, sie zu verbessern bereits fehlgeschlagen sind.

Bei der Flip-Flop-Technik wird die ursprüngliche Frage ins genaue Gegenteil verkehrt und man erhält auf sehr verblüffende Art und Weise eine Unmenge an Ideen und eine extreme Kreativität.

Vorgehensweise:

Die Vorgehensweise bei der Flip-Flop-Technik ist ganz ähnlich zum Brainstorming. Es werden die folgenden vier Phasen durchlaufen:

  • Aufgabenstellung und Umkehrung
  • Ideenfindung
  • Auswertung und Ergebnisanalyse
  • Strategieentwicklung

Aufgabenstellung und Umkehrung:

Der Moderator stellten den Teilnehmern das Problem oder die Aufgabe vor und alle Beteiligten suchen eine griffige Beschreibung. Anschließend wird die Beschreibung ins genaue Gegenteil umgekehrt. Diese „neue“ Aufgabenstellung wird für alle gut sichtbar auf ein Flip-Chart notiert.

Ein Beispiel: Ein Malerbetrieb hat Umsatzeinbußen und Kundenabwanderung zu verzeichnen, obwohl die Branche insgesamt mit Umsatzzuwächsen sehr gute Ergebnisse verzeichnen konnte. Man einigt sich darauf, das Problem mit „Wie können wir Kunden gewinnen und bestehende Kunden halten“ zu beschreiben.

Die Umkehrung lautet dann: „Wie verhindern wir, daß uns neue Kunden beauftragen und wie werden wir die bestehen Kunden möglichst schnell wieder los.“

Damit ist die erste Phase der Flip-Flop-Technik abgeschlossen.

Ideenfindung:

In der Phase der Ideenfindung rufen alle Teilnehmer dem Moderator ihre Ideen zu. Dabei schreibt der Moderator alle Ideen auf das Flip-Chart und stellt sicher, daß auch ruhige oder zurückhaltende Teilnehmer zu Wort kommen. Ich selbst habe die Technik gerne auch mit dem Brainwriting-Pool kombiniert, da damit sichergestellt ist, daß wirklich alle zu Wort kommen.

Nach gut 20 Minuten ebben die Ideen bei den Teilnehmern erfahrungsgemäß ab. Machen Sie dann eine kurze Kaffeepause und kehren Sie dann in den Raum zurück. Fast immer gibt es dann eine neue Welle an Ideen.

Bei meinem Beispiel mit dem Malerbetrieb sind Stichworte: „dreckige Baustelle“, „Unpünktlich“, „völlig überteuert“, „Nie erreichbar“, „Rauchen im Schlafzimmer des Kunden“, „eingeschränktes Angebot“, „giftige Farben“ und und und. Sie sehen, man kann eine Menge machen, um auch noch den letzten Kunden zu vergraulen.

Im Normalfall ist nach 40 bis 50 Minuten der Quell der Ideen versiegt.

Auswertung der Ideen & Ergebnisanalyse:

Die aufgezeichneten und gesammelten Ergebnisse werden in der Gruppe nochmals gesichtet und nach Gesichtspunkten geordnet. Dabei ist es wichtig, selbstkritisch zu hinterfragen, ob die Idee zur derzeitigen Ist-Situation passt, oder sehr weit entfernt ist.

Im Malerbeispiel ist dabei zu hinterfragen, ob man sich wirklich „wie die Axt im Walde bzw. auf der Baustelle“ aufführt, oder ob man sich nicht schon vernünftig benimmt.

Man kann das aber auch so sehen, daß eine extrem penible Sauberkeit auf der Baustelle ein Image-Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz darstellt bzw. das explizite Verwenden und Bewerben von „Bio-Farben und Natur-Lacken“ vielleicht eine neue Kundenklientel anspricht.

Die gefundenen Negativ-Ideen muß mal also nur umdrehen, um zu den positiven Wirkungen zu kommen.

Am Ende der Analysephase hat man üblicherweise zwei Gruppen von Ideen. Die eine, die die Ist-Situation beschreibt und geändert werden sollte und die andere, die die Soll-Situation beschreibt und angestrebt werden sollte.

Strategieentwicklung:

Durch die sehr konkreten Vorgaben ist es gerade bei der Flip-Flop-Methode einfach, eine geeignete Strategie zu entwickeln. Dabei sollte bedacht werden, daß sicher nicht alle Maßnahmen sofort umgesetzt werden können und daher eine Prioritätenliste erstellt werden sollte.

Im Malerbeispiel könnte eine Strategie die Entwicklung vom „einfachen Maler“ zum „Wohnraumgentleman“ sein, also ein höflicher, zuvorkommender Fachmann, der sein Kunden bei der Umsetzung ihrer Gestaltungsideen unterstützt.

Vor- und Nachteile der Flip-Flop-Methode:

Durch die paradoxe, umgedrehte Fragestellung sprudeln die Ideen und es macht mächtig Spaß, mal richtig Dampf abzulassen und sich alles zu überlegen, um z.B. sein Geschäft zu ruinieren. Dies ist ein großer Vorteil der Flip-Flop-Technik als Kreativitätstechnik.

Um jedoch zu sinnvollen Ergebnissen zu kommen und sich nicht zu weit von der Realität zu entfernen, ist bei dieser Kreativitätstechnik ein erfahrener Moderator notwendig. Dies ist ein Nachteil der Technik. Wenn Sie einen Workshop planen, bei der diese Technik eingesetzt werden soll, sprechen Sie mich an. Ich unterstützte gerne als Moderator.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

Bildquelle: fotolia, © Masson

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Stimmen Sie bitte ab und helfen Sie mir, die Beiträge weiter zu verbessern!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Abstimmungen, Durchschnitt: 4,80 von 5)
Loading...