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Online Produktmanagement – Was kann man Christian Maaß und Gotthard Pietsch lernen?

Online Produktmanagement Rezension
Vom Hanser Verlag habe ich ein neues spannendes Buch zur Rezension zugeschickt bekommen. Es ist das Buch Online-Produktmanagement von Christian Maaß und Gotthard Pietsch.

Es bot sich an, das Buch zu lesen, da ich selbst auf meiner Internetseite verschiedene digitale Produkte und damit Onlineprodukte anbiete. Außerdem fragen zunehmend meine Kunden aus Mittelstand und Handwerk nach der Begleitung bei der Erstellung von Onlineprodukten nach.

Was erwartet mich beim Buch Online Produktmanagement?

Lernt man, wie man Schritt für Schritt online Produkte herstellt? Oder lernt man, wie man Onlineprodukte vermarktet? Oder geht es um das Management eines gesamten Onlineproduktportfolios?

Ich war gespannt, welche Schwerpunkte das Buch setzen würde und was man daraus Neues lernen kann.

Zum Erscheinungsbild und der Gliederung des Buches Online Produktmanagement

Das Buch aus dem Hanser Verlag kostet 34,90 € hat ein broschierten Einband. Die Bindequalität ist wie bei den anderen Büchern aus der gleichen Reihe des Hanser Verlages gewohnt hoch. Ein textiles Lesezeichen ist vorhanden, so dass das Buch an jeder Stelle offen liegen bleibt und nicht zufällt.

Inhaltlich gliedert sich das Buch in zehn Kapitel sowie einen umfassenden Anhang.

Das erste Kapitel umfasst die Ziele und den Aufbau des Buches. Das zweite Kapitel gibt eine Einführung in das Online-Produktmanagement. Das dritte Kapitel befasst sich mit den Besonderheiten des Wettbewerbs im Kontext von Onlineprodukten. Im vierten Kapitel werden die strategischen Grundlagen des Online-Produktmanagements eingehend beleuchtet. Im fünften Kapitel erfährt der Leser mehr über organisatorische Grundsatzentscheidungen im Onlineproduktmanagement. Das sechste Kapitel befasst sich mit der näheren Ausgestaltung von Onlineproduktideen, nämlich wie man diese systematisch entwickelt, bewertet und schließlich präzisiert. Entlang des Entwicklungszyklus stellt das siebte Kapitel die Erstellung von Konzepten und Produktspezifikationen für Onlineprodukte vor. Die Erstellung von umfassenden Business Cases und das finanzwirtschaftliche Erfolgspotenzial von Onlineprodukten ist Gegenstand des achten Kapitels.

Notwendige Vorarbeiten im Vorfeld von Onlineentwicklungsprojekten werden im neunten Kapitel ausführlich dargestellt. Das zehnte Kapitel schließt mit der Projektdurchführung und dem Going-Live eines Onlineproduktes dieses Buch ab.

Vorstellung des Inhalts von Online-Produktmanagement

Im ersten Kapitel wird nur eine grundlegende Einführung gegeben, die das Lesen des Buches erleichtert. Inhaltlich startet das Buch tatsächlichen mit dem zweiten Kapitel, der Einführung in das Online-Produktmanagement.

Schwerpunkt des zweiten Kapitels ist die Vorstellung sowie die Definition der Aufgaben und des Einsatzbereiches eines Onlineproduktmanagers.

Es wird darauf abgestellt, wer die Stakeholder bei Onlineprodukten sind und warum Produktmanager in der Praxis oft Produktmanager heißen aber keine Produktmanager sind. Durch verschiedene Schaubilder und Tabellen werden die Inhalte dem Leser ansprechend und leicht verständlich dargestellt.

Das dritte Kapitel befasst sich mit den Besonderheiten von Onlineprodukten im Vergleich zur analogen Warenwirtschaft. Hier wird nach meiner Meinung sehr schön herausgearbeitet, wie sich innerhalb der letzten Jahre traditionelle Wertschöpfungsketten verändert haben. Anhand von verschiedenen Praxisbeispielen, zum Beispiel aus der Musikindustrie, zeigen die Autoren auf, wie durch Onlineprodukte bestimmte Wertschöpfungsstufen einer traditionellen Werkschöpfungskette eliminiert wurden.

Besteht das eigene Geschäftsmodell in einer solchen Wertschöpfungsstufe, die durch Onlineprodukte überflüssig werden kann, kann man sich die Dramatik der Auswirkungen leicht vorstellen (Substitutionsrisiko).

Das dritte Kapitel regt, obwohl nicht explizit niedergeschrieben, an, das eigene Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen und auf mögliche existenzbedrohende Einflüsse durch die weitergehende Digitalisierung unsere Gesellschaft hin zu untersuchen. Hierin unterscheiden sich nach meiner Meinung hervorragende Bücher von sehr guten Büchern. Hervorragende Bücher geben Denkanstöße auch außerhalb des gerade besprochenen inhaltlichen Themas.

Bei dem Buch Onlineproduktmanagement ist dies der Fall. Obwohl es um die Erstellung von Onlineprodukten geht, liegt das Buch an, das eigene Geschäftsmodell kritisch hinterfragen.

Im vierten Kapitel wird von den beiden Autoren deutlich herausgearbeitet, wie wichtig eine unternehmerische Zielsetzung und die Entwicklung einer Produktstrategie für erfolgreiches Wirtschaften der Zukunft ist.

Schritt für Schritt wird der Leser verständlich an die Hand genommenvon. Zunächst wird die Aufstellung und Ableitung von Zielen, Teilzielen und Subzielen des Gesamtunternehmens vermittelt. Die Entwicklung einer Produktmarktstrategie bis hin zur bekannten Portfoliostrategie der BCG-Matrix folgt im nöchsten Schritt. Ein wesentlicher Punkt, nämlich das finanzielle Erlösmodell, wird im vierten Kapitel ebenfalls umfassend angesprochen.

Das fünfte Kapitel befasst sich ausführlich mit organisatorischen Grundsatzentscheidungen im Onlineproduktmanagement. Es beginnt mit der Einordnung von größeren Unternehmen in die Organisationsstruktur. Dieser Teil ist für Kleinunternehmen mangels Struktur eher weniger von Interesse. daraufhin folgte der für mich spannende Teil mit der Auswahl und der Vorstellung der Vorgehensmodelle zur Softwareentwicklung.

Die beiden Autoren Dr. Christian Maass und Prof. Dr. Gotthard Pietsch machen keinen Hehl daraus, dass sie die traditionellen Vorgehensmodelle im modernen online Umfeld für wenig geeignet halten. Dazu gehört zum Beispiel das sequenzielle Vorgehen nach der Wasserfallmethode oder die inkrementellen Vorgehensmethoden nach RUP.

Sie präferieren eine Vorgehensweise nach den agilen Vorgehensmodellen wie SCRUM.

Die wenigsten Leser dürften bereits umfangreiche Erfahrungen mit SCRUM gemacht haben. Deshalb wird von den beiden Autoren diese agile Vorgehensweise kurz und prägnant aber verständlich dargestellt. Ich fand diese SCRUM Kurzeinführung äußerst gelungen.

Im sechsten Kapitel geht es ausführlich um die Entwicklung, Bewertung und Präzisierung von Onlineproduktideen. Dabei gehen die Autoren sehr strukturiert vor. Sie stellen die Quellen für Produktideen, die Erstellung einer Evaluierungsliste und die Grobbewertung der Ideen Schritt für Schritt vor.

Aus eine priorisierten Liste mit Produktideen sollen schnell klickbare Prototypen zur Ideenpräzisierung erarbeitet werden. Daraus folgt eine weitere Priorisierung auf die aussichtsreichsten Ideen. Anschließend wird eine umfassende Diskussion mit der Festlegung auf einen zu realisierende Zielprodukt vorgenommen.

Wie man diese Reihenfolge anhand von Checklisten und Tabellen meistert und dabei die wesentlichsten Umweltfaktoren wie die Konkurrenzanalyse oder Usability Tests nicht vergisst, stellen die Autoren hervorragend dar.

Das siebte Kapitel befasst sich mit der Erstellung eines Grobkonzeptes und den Produktspezifikationen. Es reißt die verschiedenen Methoden wie Use-Case-Diagramme, Ablaufdiagramme, Wireframes oder Domänenmodelle an. Wer sich mit diesen Methoden vertieft auseinandersetzen möchte, sei auf das hervorragende Buch „Business Analyse – einfach und effektiv“, ebenfalls aus dem Hanser Verlag, verwiesen.

Das achte Kapitel widmet sich ausführlich der Erstellung eines Business Cases für Onlineprodukte und der finanzwirtschaftlichen Bewertung des geplanten Produktes. Gerade das realitätsnahe Abschätzen des Erfolgspotenzials eines Onlineproduktes bereitet große Schwierigkeiten. Trotz der Schwierigkeiten entscheidet diese Abschätzung oft über Erfolg oder Mißerfolg bzw. Umsetzung oder Verwerfung des gesamten Projektes.

Im achten Kapitel wird dem Leser die Identifikation der Wert- und Kostentreiber eines Onlineproduktes verständlich vorgestellt. Anhand von Beispielrechnungen für eine Cashflow, Net Present Value (NPV) Analyse und der Planerfolgsrechnungsowie werden ihm praxiserprobte Methoden näher gebracht.

Im neunten und zehnten Kapitel werden die im fünften Kapitel vorgestellten Methoden aus der agilen Vorgehensweise aufgegriffen und weiter vertieft. Praxistipps zu SCRUM und zur gerade in Deutschland bekannten und begehrten ISO-Zertifizierung nach 9001 runden das gelungene Werk ab.

Fazit zum Buch Onlineproduktmanagement

Wer in dem Buch eine Anleitung erwartet, wie man ein E-Book erstellt oder ein Digitales Infoprodukt an den Mann (oder die Frau) bringt, wird enttäuscht werden.

Dies ist aber auch nicht die Absicht der Autoren und der Kern des Buches.

Das Buch möchte die in vielen Teildisziplinen bekannten Methoden aus Softwareentwicklung, Betriebswirtschaftslehre, hier insbesondere dem Controlling und dem Projektmanagement zusammentragen und für einen bestimmten Verwendungszweck, nämlich der Erstellung von Onlineprodukten aufeinander abgestimmt vorstellen.

Genau hierin liegt der Mehrwert des Buches.

Was man sonst in den verschiedenen Regalen von Universitätsbibliotheken mühsam heraussuchen muss und bisher isoliert dargestellt wurde (SCRUM in der Softwareentwicklung, Projektmanagement und seine Methoden, Controlling in der BWL) erhält der Leser in kompakter Art und Weise von den Autoren aufbereitet.

Alle im Buch vorgestellten Inhalte und Methoden sind keine Neuerfindungen oder revolutionären Ansätze. Vielmehr handelt es sich um eine Systematisierung und Verkettung von länger bekannten Methoden, um die Entwicklung eines Onlineproduktes erfolgreicher zu machen. Erfolgreicher dahingehend, dass viele Ursachen für das Scheitern durch eine systematische Vorgehensweise im Vorfeld ausgeschlossen werden können.

Wer sich derart strukturiert an die Erstellung seines Onlineproduktes heranmacht, wird erheblich erfolgreicher sein. Gerade wenn es sich um ein kapitalintensives Onlineprodukt wie ein großes Internetportal handelt kann so das Risiko des Scheiterns deutlich minimiert werden.

Insofern kann ich jedem das Buch ans Herz legen, der sich aktuell mit der Entwicklung von Onlineprodukten beschäftigt. Vielleicht haben Sie in Zukunft vor, Onlineprodukte zu erstellen, auch dann ist das Buch eine echte Leseempfehlung.

Es grüßt aus Bayreuth,
Ihr Axel Schröder

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