Menü

Komplexität & Komplexitätsmanagement

Komplexitätsmanagement

Komplexität – Welche Anwendungsfälle gibt es für Unternehmer?

Beispiele für komplexe Fragen, die sich Unternehmer stellen:

Um in das Thema Komplexität einzuführen, möchte ich das erste Beispiel „Mitarbeitermotivation“ aufgreifen.

Macht man ein kurzes Brainstorming zum Stichwort Mitarbeitermotivation kommen folgende weitere Faktoren zum Vorschein.

  • Motivierte Mitarbeiter beraten Kunden besser
  • Besser beratene Kunden kaufen mit höherer Wahrscheinlichkeit
  • Besser beratene Kunden kommen öfter wieder
  • Bessere Kundenberatung kann mehr Zeit kosten
  • Zeit (von Mitarbeitern) ist ein knappes Gut
  • Motivation zu steigern kann ebenfalls Zeit kosten
  • Bei weniger Zeit fallen andere Sachen „hinten runter“ –> welche? Was passiert dann?
  • Motivation zu steigern kann Schulungsbedarf nach sich ziehen
  • Schulungen kosten Geld und erhöhen damit die Kosten
  • Gewinn ist die Differenz von Umsatz und Kosten
  • … und viele Faktoren mehr …

Diese Faktoren hängen in Ursache und Wirkungsketten zusammen. Manche Wirkungen treten sofort auf (z.B. der Zeiteinsatz), andere vielleicht erst später (z.B. Kunde öfter kommt wieder).

Manche Faktoren wirken stark aufeinander (z.B. Schulungskosten senken den Gewinn unmittelbar), Beratung ist nur ein Faktor von verschiedenen, die den Kauf eines Produktes begünstigen (weitere wären vielleicht der Preis, Nutzenversprechen oder schlicht die Stimmungslage des Kunden).

Damit scheint es eine gegenseitige Beeinflussung der Faktoren zu geben, die man nicht schnell überblicken kann. Es handelt sich damit um ein komplexes Problem. Die Folge sind Entscheidungen aus Bauchgefühl oder Erfahrungen (sog. Best Practices), die der individuellen Situation nicht gerecht werden.

Alles scheint heute komplex zu sein. Der Begriff „Komplexität“ wurde zu einem Modebegriff, der für alles verwendet wird, was nicht auf Anhieb verstanden wird. Es gibt aber auch viele Dinge, die nicht komplex, sondern einfach nur kompliziert sind.

Es macht Sinn, sich mit dem Begriff Komplexität näher auseinanderzusetzen.

Was ist Komplexität – Definition

Der Duden beschreibt „Komplex“ mit vielschichtig, viele verschiedene Dinge umfassend sowie ineinandergreifend, nicht alleine stehend.

Eine Ähnliche Abgrenzung findet man bei Haufe, die von vielen Elementen und Verbindungen in einem System sprechen.

Nach meiner Ansicht kommt es aber nicht nur auf die eigentliche Anzahl von Elementen und deren Verbindung in einen System an, sondern auch auf die Art und Weise, wie dies miteinander interagieren. Also ob sich gegenseitige Einflüsse im Zeitablauf verstärken oder abschwächen oder ob es gar Einflüsse gibt, die man umgangssprachlich als Zufall bezeichnet.

Daher meine Definition von Komplexität

Komplex ist ein System, das über viele sich gegenseitig  beeinflussende Elemente verfügt, deren gegenseitige Beeinflussung sich im Zeitablauf ändern kann. Das Gesamtverhalten des Systems kann trotz vollständiger Information der Einzelkomponenten und seiner Wechselwirkungen nicht eindeutig beschrieben werden und beinhaltet damit Emergenz.

Was ist der Unterschied zwischen komplex und kompliziert?

Kompliziert sind Dinge, die verwickelt und schwer zu durchschauen, aber lösbar sind. Die Menüstruktur eines Fernsehers ist kompliziert, aber mit einer Anleitung oder dem entsprechenden Wissen durchaus lösbar.

Ebenso die Regeln eines Fußballspieles. Diese sind durchaus kompliziert, können aber theoretisch erworben werden.

Die Durchführung des Fußballspieles selbst ist aber hochkomplex, weil die Dynamik des Spieles und die wechselweise Beeinflussung der Einzelfaktoren nicht einfach „berechenbar“ sind. Theoretisches Wissen über Fußball bringt eine Mannschaft nicht unbedingt zum Sieg. Man muss es halt können!

Wie entsteht Komplexität?

Am Anfang gibt es einen eingeschwungenen Zustand (Trend). Dieser Zustand wird gestört durch einen externen Impuls oder durch einen Gegentrend. Nun muss das System wieder einen neuen stabilen Zustand finden. Dabei kann es aus einer Symbiose von ursprünglichem Trend und seinem Gegentrend kommen, was zu mehr Varianten führt als der Ausgangszustand hatte. Das System wurde komplexer. Oder es kommt zu einer Spaltung / einem Zerfall, was wiederum ein stabiler neuer Zustand ist, allerdings auf niedrigere Komplexitätsebene als der Ausgangszustand.

Schwerer Tobak, diese Theorie.

Ein Beispiel zu Symbiose & Spaltung

Lang war ein männerdominiertes Gesellschaftsmodell auf der Erde prägend, eine patriarchalische Gesellschaftsform. In jüngster Vergangenheit stieg jedoch weltweit die Bildung von Frauen und damit einhergehend auch das Einkommen und die Unabhängigkeit von Männern. Traditionelle Rollenmuster wurden in Frage gestellt., der Trend „patriarchalisches Macho-Modell“ erzeugte einen Gegentrend „Total-Feminismus“. Die Bezeichnungen sind natürlich pointiert, um das Beispiel zu verdeutlichen.

Nun gäbe es (theoretisch) zwei Lösungsmöglichkeiten für das instabil gewordene System

  • Spaltung des Systems. Männer und Frauen trennen sich. Es gibt einen „Männerplaneten“ und einen „Frauenplaneten“. Das System wird gespalten und damit ergibt sich ein neuer eingeschwungener Zustand auf einer niedrigeren Komplexitätsstufe (Probleme im Zusammenleben von Männern und Frauen haben sich somit erledigt).
  • Symbiose von Trend und Gegentrend. Es gibt eine Symbiose aus dem Trend „Macho“ und dem Gegentrend „Feminismus“. Das Ergebnis ist eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an Rollenmodellen des Zusammenlebens, die allesamt Einfluss auf wesentliche gesellschaftliche Strukturen wie Erziehung, Bildung, Einkommen, Einkaufsverhalten ja selbst Geldanlage haben. Der neue eingeschwungene Zustand ist durch die Symbiose viel komplexer geworden.

Wie geht man mit Komplexität um? Komplexitätsmanagement

Das Bemühen um Verständnis und Beherrschung von Komplexität ist das Komplexitätsmanagement. Mit der Anwendung verschiedener Techniken kann man auch komplexe Fragestellungen durchdringen und Lösungsräume verstehen. Wichtigste Technik des Komplexitätsmanagements ist die Vereinfachung (Simplifizierung)  durch Weglassen von Elementen und Beziehungen des komplexen Systems.

Weglassen im Sinne von Eliminierung kennt man aus der Bereinigung des Portfolios in Unternehmen (Renner und Penner Auswertung als Anhaltspunkt für eine Sortimentsstraffung) oder der Reduktion von Bauteilen für ein Endprodukt.

Eine andere Art der Vereinfachung besteht in der Erstellung eines Modells des zu untersuchenden komplexen Systems. Mit der Modellbildung schafft man bewusst einen Schnitt aus den betrachteten Elementen und einer Außerhalb der Untersuchung stehenden Umwelt. Mit der Modellbildung wirkt man auch den begrenzten Möglichkeiten der Datenverarbeitung des menschlichen Gehirnes entgegen.

Studien haben gezeigt, dass der Mensch ab 4 sich gegenseitig beeinflussender Faktoren an seine natürliche mentale Grenze kommt, diese Abhängigkeiten richtig zu verarbeiten.

Simulationen dieser Modelle mit moderner Software wie dem Consideo iModeler geben dann auch visuell Auskunft über den Einfluss eines oder mehrerer Faktoren auf einen Zielfaktor.

Im Rahmen unserer Beratungstätigkeit setzen wir Software zur Modellierung immer wieder gezielt ein, um Sachverhalte zu strukturieren oder zu ordnen. Sei es im Rahmen von Prozessmanagement, um komplizierte Sachverhalte zu lösen oder im Bereich der Strategieentwicklung, wo es um die Klärung von komplexen Fragestellungen geht. Modellierungsbeispiele finden Sie beim Kano-Modell oder in gewisser Weise auch die Netzplantechnik.

Tipp!Viele weitere Infos finden Sie in unserem internen Bereich.

Bildquelle: fotolia, © DDRockstar

Hier finden Sie alle unsere Beiträge zum Komplexitätsmanagement