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Bisoziation – Kreativitätstechniken für Handwerker und Selbständige

Bisoziation
Kreativität ist erlernbar!

Kreativität ist erlernbar!

Was ist Bisoziation?

Die Bisoziation gehört zu den eher unbekannten Kreativitätstechniken und fristet im Handwerk eher ein Schattendasein. Dies allerdings zu Unrecht, da mit dieser Art der Kreativität ganz erstaunliche Ergebnisse erzielt werden.

In diesem Artikel möchte ich Ihnen daher die Bisoziation näher vorstellen.

Geprägt wurde der Begriff „Bisoziation“ von dem Schriftsteller und Kulturphilosophen Arthur Koestler. Mit dieser Kreativitätstechnik wird man gezwungen, ausgetretene Denkpfade zu verlassen und zwischen scheinbar voneinander unabhängigen Beziehungsfeldern Verbindungen herzustellen.

Bei der Assoziation verbindet man Gedanken, die sich im gleichen Bezugsrahmen befinden, im Gegensatz dazu verbindet man bei der Bisoziation willkürliche oder gegensätzliche Denkdimensionen.

Gerade das macht diese Kreativitätstechnik so zielführend, verlangt aber von den Teilnehmern sehr viel Mut, verkrustete Denkstrukturen aufzubrechen und Lösungen zuzulassen, die zunächst ungewöhnlich bis absurd oder schlicht undenkbar klingen.

Für was ist Bisoziation geeignet?

Geeignet ist die Bisoziation zur Gewinnung von unkonventionellen Lösungsansätzen konkreter Probleme und Aufgabenstellungen, die im technischen oder kreativen Umfeld liegen.

Für die Durchführung ist eine Gruppe von 5 bis 20 Personen geeignet, es sollte jedoch ein Moderator dabei sein, der die Technik der Bisoziation bereits gut kennt und mehrfach angewandt bzw. geleitet hat.

Man benötigt ferner einige Bilder (ca. 5 Stück, gut sichtbar und in A4 oder größer ausgedruckt) sowie Karteikarten und eine Pinnwand.

Der Zeitaufwand liegt je nach Gruppengröße und Schwierigkeit der Aufgabenstellung bei 1 bis 3 Stunden.

Wie geht man bei der Bisoziation vor?

Da man bei der Bisoziation wenig Material und keine große Vorbereitung benötigt, kann sie recht gut in Wochen-Besprechungen oder Projektsitzungen eingebaut werden und eignet sich daher gut für Handwerk und Mittelstand.

Grundsätzlich werden vier Phasen durchlaufen:

  1. Problemstellung und Aufgabenbeschreibung
  2. Freie Assoziation zur Problemstellung
  3. Herstellen von Analogien
  4. Auswertung der Ergebnisse und Transfer auf die Problemstellung

Die Phase der Problemstellung:

Zusammen mit den Gruppenteilnehmern wird die Problemstellung definiert bzw. die Aufgabenbeschreibung erarbeitet und schriftlich festgehalten. Diese Problembeschreibung ist wichtig, um in den späteren Phasen das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Phase der freien Assoziation:

In dieser Phase werden die vorbereiteten Bilder in der Mitte des Tisches ausgelegt. Dabei ist es völlig unerheblich, um was für Art von bildlicher Darstellung es sich handelt. Ob Buchillustration, Gemälde, Werbeanzeige, Fotos oder technische Zeichnung. Wichtig ist nur, daß das Bild möglichst wenig bis gar nichts mit der Problemstellung zu tun hat.

Ein solches Beispiel wäre die Abbildung einer gotischen Kathedrale, ein breites Kinderlachen oder ein Heißluftballon vor einer Skyline bei einer Problemstellung „Verbesserung der Verpackung von Coffee-to-go“.

Schon bei der Auswahl der Bilder kann man seiner Fantasie und seinen Gedanken freien Lauf lassen und ungewöhnliche bis abstruse Bilder wählen.

Aus den vorgelegten Bildern wählt die Gruppe das Bild aus, bei dem die meisten Gruppenmitglieder spontan viele Emotionen und Gedanken überkommen.

Nun schildern alle Teilnehmer Ihre Gedanken, Ideen, Eingebungen und Gefühle zu dem ausgewählten Bild. Der Moderator schreibt diese auf Karteikarten und ordnet sie an der Pinnwand.

Diese Phase ähnelt dem Brainstorming. Sollte es eine sehr heterogene Gruppe mit dominanten und sehr zurückhaltenden Teilnehmern sein, kann diese Art der Gedankensammlung auch mit dem Brainwriting unterstützt werden, bei dem alle Teilnehmer gleichsam zu Wort kommen. Hier ist also das Gespür des Moderators gefragt, wie die Assoziationsphase am besten durchgeführt wird.

Wenn alle Teilnehmer ihre Beiträge abgegeben haben, beginnt die nächste Phase.

Die Phase der Analogiebildung:

In der dritten Phase der Bisoziation, die Herstellung der Analogien, wird die ursprüngliche Problemstellung wieder aufgegriffen. Nun wird klar, warum die in Phase 1 durchgeführte Problembeschreibung und Aufgabenstellung so wichtig war. Man kann sie jetzt einfach heranziehen und verliert keine Zeit mit der Erörterung, um was es eigentlich geht.

Zusammen mit dem Moderator gehen alle Teilnehmer die Aussagen aus Phase 2 (die freie Assoziation zu den Bildern) auf den Karteikarten nochmals durch und überprüfen, ob diese Aussagen in irgendeiner Weise zur ursprünglichen Problem- oder Aufgabenstellung passen könnten.

Dieser Schritt beginnt nach meiner Erfahrung erst sehr zögerlich, da sich die Teilnehmer erst an diese Art der Zusammenführung von völlig unterschiedlichen Gedankengängen gewöhnen müssen. Im Laufe der Sitzung gewinnt diese Phase aber fast immer an Fahrt und macht allen Teilnehmer schlußendlich sehr viel Spaß.

Es braucht eine gehörige Portion Zeit, Mut und Engagement, die bekannten Denkschemata zu verlassen und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Auch hier ist ein erfahrener Moderator notwendig. Die meisten Teilnehmer haben Angst, vermeintlich absurde Gedankengänge zu formulieren. Dies ist nach meiner Erfahrung der größte Hemmschuh beim Beginn dieser Technik. Der Moderator hat dafür zu sorgen, daß in der Gruppe ein Klima herrscht, bei dem man sich nicht „blamieren“ kann, sondern unkonventionelle Lösungsansätze honoriert werden.

Die Phase der Auswertung des Transfers auf die Problemstellung

Nachdem der Moderator alle Analogien aus der vorangegangenen Phase aufgeschrieben und für alle gut lesbar an eine Pinnwand gehängt hat, beginnt die Phase der Auswertung und des Transfers. In einer gemeinsamen Bewertung diskutieren die Teilnehmer, welche der gefundenen Lösungsansätze am sinnvollsten erscheint und welche im Grundsatz ein Umsetzungspotential bieten, aber noch verändert, angepasst oder verbessert werden müssen. Diese Diskussion ist die Grundlage für konkrete Maßnahmen, in die die Lösungsvorschläge münden müssen.

Nach der Theorie ein Fallbeispiel zur Bisoziation:

Da meine Ausführungen bisher sehr theoretisch waren, möchte ich die Technik an einem Fallbeispiel näher beleuchten, daß sich in ähnlicher Weise in einem meiner Beratungsprojekte gezeigt hat:

Problemstellung:

Ein örtliches Café bekommt Konkurrenz, da in der benachbarten Stadt eine Kaffee-Kette eröffnet und gerade junge Menschen als Kunden gewinnt. Mit den beliebten „to-go“ Produkten sorgt diese Kaffee-Kette für sinkende Umsätze bei dem örtlichen Café.

Freie Assoziation:

Bildauswahl: Ein bunter Heißluftballon vor einem Bergpanorama bei blauem Himmel und Sonnenschein

Stoffsammlung zum Bild: Farbe, Freiheit, Gemeinschaftserlebnis, unbeschwert, darüberstehend, zerbrechlich, Höhe, Sommer, Glück, Abenteuer, Tradition

Herstellen von Analogien:

Farbe: Vielfalt, große Auswahl an Kaffeespezialitäten. Spricht alle Bevölkerungsgruppen an

Freiheit: Eigene Kaffeewünsche möglich, freie Platzwahl, Wahl der Bezahlmethode (bar, EC-Karte, Abbuchung vom Konto am Ende der Woche)

Gemeinschaftserlebnis: Mit Freunden / Familie ins Café gehen anstelle von to-go-Produkt alleine, Kommunikationsplatz, Anbindung an Internet / soziale Netzwerke, Freunde werben Freunde Programme

Unbeschwert: Diät-Produkte oder Produkte für Allergiker

Darüberstehend: Ein Ort zum Wohlfühlen, ein Stück weit den Alltag vergessen, den Sorgen entkommen, neue Inspiration bekommen

Zerbrechlich: soziale Bindungen bedürfen der Pflege, Anlaufpunkt als „neutraler Boden“ in schwierigen Situationen, bei Verhandlungen

Höhe: —

Sommer: Möglichkeit, draußen zu sitzen, den Sommer genießen, saisonale Angebote

Glück: —

Abenteuer: exotische Produkte, Thementage, Überraschungsangebote, bekannte Produkte unkonventionell und neu umgesetzt

Tradition: Das Café ist fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft und soll es auch bleiben. Dies zeigt sich im zwischenmenschlichen Miteinander wie auch in der Einrichtung, Tradition braucht Wurzeln

Auswertung und Transfer:

Die oben genannten Analogien setzen sehr stark auf eine Individualisierung und heben sich sehr deutlich von der Standardisierung der to-go Ketten ab. Kommunikation, soziale Bindungen (traditionelle mit Freunden / Familie wie auch neuartige über neue Medien) stehen im Vordergrund einer auf Kunden fokussierten Strategie.

Maßnahmen waren z.B.

  • Produktdifferenzierung saisonal wie individuell auf Kunden
  • Ausbau der Kommunikationsmöglichkeiten (klassisch, neue Medien, Business)
  • Ausbau als Begegnungsstätte (erweitertes Zeitschriftenangebot bzw. „Kaffeeklatsch“ über Ereignisse und Themen der Ortschaft)

Die Assoziationen, die zu keinen brauchbaren Ergebnissen führten, wie „Höhe“ oder „Glück“ wurden zunächst weggelassen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Kreativitätstechnik Bisoziation näher bringen und zeigen, warum diese Art der Kreativität zu besonders brauchbaren Ergebnissen führt.

Wenn Sie Fragen zu Kreativitätstechniken haben oder einen Moderator bei der Umsetzung benötigen, dann sprechen Sie mich an.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

Bildquelle: fotolia, © Rawpixel.com

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