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Bisoziation – Kreativitätstechniken für Handwerker und Selbständige

Fotolia© Rawpixel.com Bisoziation

Bisoziation – noch nie gehört? Bei dieser Kreativitätstechnik geht es um die Kombination der unterschiedlichsten Bereiche. Im Normalfall denken wir bei einem Thema oder Problem in den gleichen Kreisen, Bisoziation ist die Suche in anderen Bereichen. Wir stellen Ihnen in diesem Artikel die Methode vor und schieben den kreativen Prozess an!

Was ist Bisoziation?

Die Bisoziation gehört zu den eher unbekannten Kreativitätstechniken und fristet im Handwerk meistens ein Schattendasein. Dies allerdings zu Unrecht, da mit dieser Art der Kreativität erstaunliche Ergebnisse erzielt werden.

Geprägt wurde der Begriff „Bisoziation“ von dem Schriftsteller und Kulturphilosophen Arthur Koestler. Mit dieser Kreativitätstechnik wird man gezwungen, ausgetretene Denkpfade zu verlassen und zwischen scheinbar voneinander unabhängigen Beziehungsfeldern Verbindungen herzustellen.

Bei der Assoziation verbindet man Gedanken, die sich im gleichen Bezugsrahmen befinden. Im Gegensatz dazu verbindet man bei der Bisoziation willkürliche oder gegensätzliche Denkdimensionen.

Gerade das macht diese Kreativitätstechnik zielführend, verlangt aber von den Teilnehmern sehr viel Mut. Verkrustete Denkstrukturen müssen aufzubrechen, um Lösungen zuzulassen, die zunächst ungewöhnlich bis absurd oder schlicht unmöglich klingen.

Für was ist Bisoziation geeignet?

Geeignet ist die Bisoziation zur Gewinnung von unkonventionellen Lösungsansätzen konkreter Probleme und Aufgabenstellungen, die im technischen oder kreativen Umfeld liegen.

Für die Durchführung ist eine Gruppe von 5 bis 20 Personen geeignet. Es sollte ein Moderator dabei sein, der die Technik der Bisoziation kennt und mehrfach angewandt bzw. geleitet hat.

Man benötigt ferner mehrere Bilder (ca. 5 Stück, gut sichtbar und in A4 oder größer ausgedruckt) sowie Karteikarten und eine Pinnwand.

Der Zeitaufwand liegt je nach Gruppengröße und Schwierigkeit der Aufgabenstellung bei 1 bis 3 Stunden.

Bisoziation – Denken um mehrere Ecken
Bisoziation – Denken um mehrere Ecken

Wie geht man bei der Bisoziation vor?

Da man bei der Bisoziation wenig Material und keine große Vorbereitung benötigt, kann sie recht gut in Wochen-Besprechungen oder Projektsitzungen eingebaut werden. Aufgrund der kreativen Methode eignet sie sich gut für Handwerk und Mittelstand.

Grundsätzlich werden vier Phasen durchlaufen:

  1. Problemstellung und Aufgabenbeschreibung
  2. Freie Assoziation zur Problemstellung
  3. Herstellen von Analogien
  4. Auswertung der Ergebnisse und Transfer auf die Problemstellung

Die Phase der Problemstellung:

Zusammen mit den Gruppenteilnehmern wird die Problemstellung definiert bzw. die Aufgabenbeschreibung erarbeitet und schriftlich festgehalten. Diese Problembeschreibung ist wichtig, um in den späteren Phasen das eigentliche Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Phase der freien Assoziation:

In dieser Phase werden die vorbereiteten Bilder in der Mitte des Tisches ausgelegt. Dabei ist es unerheblich, um was für Art von bildlicher Darstellung es sich handelt: Buchillustration, Gemälde, Werbeanzeige, Fotos oder technische Zeichnung. Wichtig ist, dass das Bild möglichst wenig mit der Problemstellung zu tun hat.

Beispiel: die Abbildung einer gotischen Kathedrale, ein Kinderlachen oder ein Heißluftballon vor einer Skyline bei einer Problemstellung „umweltfreundliche Verbesserung der Verpackung von Coffee-to-go“.

Schon bei der Auswahl der Bilder kann man seiner Fantasie und seinen Gedanken freien Lauf lassen und ungewöhnliche Bilder wählen.

Aus den vorgelegten Bildern wählt die Gruppe das Bild aus, bei dem die meisten Gruppenmitglieder spontan viele Emotionen und Gedanken überkommen.

Nun schildern alle Teilnehmer Ihre Gedanken, Ideen, Eingebungen und Gefühle zu dem ausgewählten Bild. Der Moderator schreibt diese auf Karteikarten und ordnet sie an der Pinnwand.

Diese Phase ähnelt dem Brainstorming. Sollte es eine sehr heterogene Gruppe mit dominanten und sehr zurückhaltenden Teilnehmern sein, kann diese Art der Gedankensammlung mit dem Brainwriting unterstützt werden, bei dem alle Teilnehmer gleichsam zu Wort kommen. Hier ist also das Gespür des Moderators gefragt, wie die Assoziationsphase am besten durchgeführt wird.

Wenn alle Teilnehmer ihre Ideen zum Thema “Bilder” abgegeben haben, beginnt die nächste Phase.

Die Phase der Analogiebildung:

In der dritten Phase der Bisoziation, die Herstellung der Analogien, wird das ursprüngliche Problem wieder aufgegriffen. Es wird klar, warum die in Phase 1 durchgeführte Problembeschreibung und Aufgabenstellung so wichtig war. Man kann sie jetzt heranziehen und verliert keine Zeit mit der Erörterung, um was es eigentlich geht.

Mit dem Moderator gehen alle die Aussagen aus Phase 2 – freie Assoziation zu Bildern – auf den Karteikarten nochmals durch. Sie überprüfen, ob diese Aussagen in irgendeiner Weise zur ursprünglichen Problem- oder Aufgabenstellung passen könnten.

Dieser Schritt beginnt meist zögerlich, da sich die Teilnehmer erst an diese Art der Zusammenführung von unterschiedlichen Gedankengängen gewöhnen müssen. Im Laufe der Sitzung gewinnt diese Phase im Normalfall an Fahrt und macht allen Teilnehmer schlussendlich viel Spaß.

Es braucht eine gehörige Portion Zeit, Mut und Engagement, die bekannten Denkschemata zu verlassen und verkrustete Strukturen aufzubrechen. Ein erfahrener Moderator ist zwingend notwendig. Die meisten Teilnehmer haben Angst, vermeintlich absurde Gedankengänge zu formulieren. Dies ist nach meiner Erfahrung der größte Hemmschuh beim Beginn dieser Technik. Der Moderator muss dafür sorgen, dass in der Gruppe ein offenes Klima herrscht: Niemand soll sich mit seinen Ideen blamieren, sondern durch unkonventionelle Lösungsansätze honoriert werden.

Die Phase der Auswertung des Transfers auf die Problemstellung

Nachdem der Moderator alle Analogien aufgeschrieben und gut lesbar an eine Pinnwand gehängt hat, beginnt die Phase der Auswertung und des Transfers. In einer gemeinsamen Bewertung diskutieren die Teilnehmer, welche der gefundenen Lösungsansätze am sinnvollsten erscheint. Die Methode ermöglicht auch, Ideen zu verfolgen, welche im Grundsatz ein Umsetzungspotential bieten, aber noch verändert, angepasst oder verbessert werden müssen. Diese Diskussion ist die Grundlage für konkrete Maßnahmen, in die die Lösungsvorschläge münden müssen.

4 Phasen der Bisoziation
4 Phasen der Bisoziation

Nach der Theorie ein Fallbeispiel zur Bisoziation:

Von der Theorie zur praktischen Methode: Ich beleuchte die Technik an einem Fallbeispiel, das sich in ähnlicher Weise in einem meiner Beratungsprojekte gezeigt hat:

Problemstellung:

Ein örtliches Café bekommt Konkurrenz, da in der benachbarten Stadt eine Kaffee-Kette eröffnet und gerade junge Menschen als Kunden gewinnt. Mit den „to-go“ Produkten sorgt diese Kaffee-Kette für sinkende Umsätze bei dem örtlichen Café.

Freie Assoziation:

Bildauswahl: Ein bunter Heißluftballon vor einem Bergpanorama bei blauem Himmel und Sonnenschein

Stoffsammlung zum Bild: Farbe, Freiheit, Gemeinschaftserlebnis, unbeschwert, darüberstehend, zerbrechlich, Höhe, Sommer, Glück, Abenteuer, Tradition

Herstellen von Analogien:

Farbe: Vielfalt, große Auswahl an Kaffeespezialitäten. Spricht alle Bevölkerungsgruppen an

Freiheit: Eigene Kaffeewünsche möglich, freie Platzwahl, Wahl der Bezahlmethode (bar, EC-Karte, Abbuchung vom Konto am Ende der Woche)

Gemeinschaftserlebnis: Mit Freunden / Familie ins Café gehen anstelle von to-go-Produkt alleine, Kommunikationsplatz, Anbindung an Internet / soziale Netzwerke, Freunde werben Freunde Programme

Unbeschwert: Diät-Produkte oder Produkte für Allergiker

Darüberstehend: Ein Ort zum Wohlfühlen, ein Stück weit den Alltag vergessen, den Sorgen entkommen, neue Inspiration bekommen

Zerbrechlich: soziale Bindungen bedürfen der Pflege, Anlaufpunkt als „neutraler Boden“ in schwierigen Situationen, bei Verhandlungen

Höhe: —

Sommer: Möglichkeit, draußen zu sitzen, den Sommer genießen, saisonale Angebote

Glück: —

Abenteuer: exotische Produkte, Thementage, Überraschungsangebote, bekannte Produkte unkonventionell und neu umgesetzt

Tradition: Das Café ist fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft und soll es auch bleiben. Dies zeigt sich im zwischenmenschlichen Miteinander wie auch in der Einrichtung, Tradition braucht Wurzeln

Auswertung und Transfer:

Die oben genannten Analogien setzen stark auf eine Individualisierung und heben sich deutlich von der Standardisierung der to-go Ketten ab. Kommunikation, soziale Bindungen (traditionelle mit Freunden / Familie wie auch neuartige über neue Medien) stehen im Vordergrund einer auf Kunden fokussierten Strategie.

Maßnahmen waren z.B.

  • Produktdifferenzierung saisonal wie individuell auf Kunden
  • Ausbau der Kommunikationsmöglichkeiten (klassisch, neue Medien, Business)
  • Ausbau als Begegnungsstätte (erweitertes Zeitschriftenangebot bzw. „Kaffeeklatsch“ über Ereignisse und Themen der Ortschaft)

Die Assoziationen, die zu keinen brauchbaren Ergebnissen führten, wie „Höhe“ oder „Glück“ wurden zunächst weggelassen.

Fazit zur Bisoziation

Ich hoffe, ich konnte Ihnen die Kreativitätstechnik Bisoziation näherbringen und zeigen, warum diese Art der Kreativität zu besonders brauchbaren Ergebnissen führt. Die moderierte Methode hilft ein Thema von neuen Blickwinkeln zu erfassen – die Kreativität wird angeleitet und Ideen können fließen. Ist die Suche nach Lösungen nahe der Verzweiflung, können Sie durch Bisoziation das Denken in unterschiedlichen Ebenen anregen.

Es grüßt aus Bayreuth
Axel Schröder

Bildquelle: fotolia, © Rawpixel.com

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