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Passive Income – Das Geld Perpetuum Mobile? Ein kritischer Kommentar…

Passives Einkommen
Blog Selbständig im Netz

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Ein paar Gedanken zum Mythos Passive Income…

Peer Wandiger hat heute den ersten Teil seiner Artikelserie „Passive Income“ veröffentlicht.

Den ersten Teil dieser spannenden Serie habe ich mit sehr großem Interesse gelesen, geht es doch darum, vermeintlich den Tausch zwischen Stunden und Euros in einer 1:1 Beziehung aufzubrechen.#

 

Peer Wandiger schreibt wörtlich: „“Passive Income” wird dagegen als Einnahmen definiert, die ohne (oder mit sehr wenig) Arbeit entstehen. Als Beispiele werden hier Mieteinnahmen, Buch-Provisionen, Pensionen und ähnliches genannt.

Passive Einnahmen sind also unabhängig von der investierten Zeit und fließen auch, wenn man nichts macht. Warum diese strikte Definition für unsere Zwecke nicht so geeignet ist, erkläre ich weiter unten.“

Etwas weiter unten in seinem sehr lesenswerten Artikel: „Stattdessen bedeutet “Passive Income” für Selbständige im Netz, dass man mit einmal investierter Arbeit dauerhaft mit relativ wenig Zusatzaufwand gutes Geld verdienen kann.“

Klingt zu verlockend, dauerhafte Einnahmen ohne große Mühen. Genau aus dieser Verlockung heraus ist das Thema „passives Einkommen“ derzeit in ganz großes Thema in der Online-Marketing Gemeinde und eines der wichtigsten und heiß umkämpften Suchbegriffe im Internet.

Sehen wir uns die Geschichte etwas näher an…

Woraus erwächst ein Ressourcenrückfluß in Form von Geld, Gehalt, Umsatz etc.? Aus einem Input, einem nachfolgenden Transformationsprozess und einem Output, für den jemand bereit ist, die normierte Austauschware Geld zu bezahlen.

Was ist der Input?

Der Input kann entweder investierte Zeit sein oder investiertes Kapital oder eine Mischung aus beidem. Klingt jetzt sehr theoretisch, aber ich möchte dies an einem Beispiel verdeutlichen.

Der „normale“ Arbeitnehmer im Angestellten-Verhältnis investiert Zeit, nämlich seine Freizeit, und bringt diese in einen Transformationsprozess ein, auf den ich noch eingehen werde.

Der Selbständige investiert auch Zeit und bringt diese in einen Transformationsprozess ein. Neben seiner Zeit bringt er fast immer auch Kapital ein, sei es als Handwerker bei seiner Werkstattausrüstung oder als Online-Marketer in einen PC oder ein Notebook. Von nichts kommt nichts.

Bei den zitierten Mieteinnahmen oder Dividenden als passive Einnahmequellen ist der Input zunächst Kapital (für den Erwerb), aber auch Zeit für die Auswahl der ursprünglichen Kapitalanlage, die später Erträge abwerfen soll.

Was ist der Transformationsprozess und was der Output?

Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen einem Angestellten und einem Selbständigen. Der Angestellte bringt seine Zeit in einen Transformationsprozess bei seinem Arbeitgeber ein, der ihm aufgrund seiner Qualifikation und seiner Arbeitsleistung eine bestimmte Arbeit zuweist (unter anderem durch das sogenannte Direktionsrecht) und die Arbeitszeit des Angestellten in eine Leistung für das Unternehmen transformiert. Hier entsteht der Output, der Arbeitnehmer erstellt eine betriebliche Leistung.

Für diese betriebliche Leistung ist irgendwer bereit, Geld zu bezahlen. Also für die Zündkerzen, die ein Arbeiter herstellt, für eine gestrichene Wand durch einen Maler und so weiter. Beispiele gibt es hier tausende.

Der Selbständige bestimmt den Transformationsprozess selbst. Er entscheidet darüber, wie seine Zeit für das Unternehmen eingesetzt wird. Ob er sie für Buchhaltung verwendet, für Marketing oder ob der die Wand selber streicht.

Auch bei den sogenannten passiven Einkommen gibt es diesen Transformationsprozess. Nur weil ein Investor ein Mietshaus kauft, wohnt noch niemand darin und es kostet Geld in Form von Grundsteuer, Wasser- und Abwassergebühren etc. Erst durch den Transformationsprozess werden Anzeigen zur Vermietung geschaltet, Mieter ausgewählt, Einkommen in Form von Mieten erzielt. So passiv ist das Einkommen also gar nicht.

Letztlich wird durch die Transformation von Zeit und / oder Kapital ein Output erzeugt, für den irgendjemand Geld bezahlt.

Auch beim Online-Business ist das nicht anders. Hier wird Kapital (wenn auch vergleichsweise wenig Startkapital notwendig ist) investiert und eine ganze Menge Zeit. Durch einen sehr aufwändigen Transformationsprozess, der sehr viel Know-How erfordert, wird eine Leistung erzeugt, für die jemand Geld bezahlt. Egal, ob für ein EBook, für einen lesenswerten Blog (Werbeeinnahmen) oder ein Abo-System.

Die zugrunde liegende betriebswirtschaftliche Formel hat nach wie vor Gültigkeit!

Der betriebswirtschaftliche Transformationsprozess

Der betriebswirtschaftliche Transformationsprozess

 

Was ist also das viel gerühmte passive Einkommen?

Es ist im Grunde nichts anderes, als das, was viele erfolgreiche Unternehmer seit je her machen. Die begrenzt zeitliche Entkoppelung des Outputs, der betrieblichen Leistung, von der persönlichen Erbringung. Das machen Manager seit jeher.

Kein Vorstandsvorsitzender und kein geschäftsführender Gesellschafter, der unternehmerisch handelt, steht selber am Band oder erbringt die betriebliche Leistung selber. Er arbeitet nicht IN der Firma, sondern AN der Firma. Er delegiert Kompetenzen und überwacht deren Erfüllung.

So verschafft man sich durch einen gewissen zeitlichen Puffer zwischen Input der eigenen Leistung in Form von Kapital und / oder Zeit und dem Rückfluß auf diese Investition.

Das passive Einkommen ist daher alter Wein in neuen Schläuchen.

Wenn es anders wäre, gäbe es sicher ein paar Millionäre mehr auf dieser Erde.

Jedes Online-Business bricht irgendwann zusammen, wenn man nicht laufend für „Pflege“ sorgt (z.B. in Form von frischem Content, Linkaufbau, technischem Fortschritt), so wie jedes Mietshaus irgendwann ohne Reparaturen zusammenbricht oder keine neuen Mieter einziehen, wenn man sich nicht darum kümmert und wie jeder Arbeitnehmer irgendwann kein Geld mehr bekommt, wenn er nicht mehr arbeitet.

Der Unterschied zwischen dem aktiven und dem viel gerühmten passiven Einkommen ist nur die Zeitspanne, bis der Rückfluß versiegt. Nun, vielleicht versiegt er langsamer, weil in fast jeder Selbständigkeit am Anfang eine enorme Investition an Zeit erfolgte…

Mit diesen Gedanken beschließe ich meinen Kommentar und freue mich, wenn mein Freund Peer Wandiger vielleicht in den folgenden Teilen seiner Artikelserie auf meine Anregungen eingeht.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

Bildquelle: fotolia, © DDRockstar

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