Menu

Prozessmanagement & Prozesse zum Leben erwecken – Tipps und Tricks

Einführung von Prozessmanagement in kleinen Unternehmen
Die weiter voran schreitende Globalisierung der Märkte in den letzten Jahrzehnten stellt Unternehmen zunehmend unter Druck. Preisverfall, Kostendruck und steigende Ansprüche der Kunden sind Aspekte, die die Unternehmensanforderungen steigen lassen. Außerdem steigt der Wettbewerbsdruck zunehmend, da die Markttransparenz stetig wächst.

Vor diesem Hintergrund findet seit einiger Zeit ein Umdenken bei den Unternehmen statt. Das Verständnis, ein Unternehmen in Organisationseinheiten aufzuteilen, rückt in den Hintergrund, während ein übergreifendes, kundenorientiertes und wertschöpfendes bzw. wertorientiertes Prozessmanagement immer mehr befürwortet wird.

In den Vordergrund unternehmerischen Handelns tritt neben Kostenreduktion und Umsatzsteigerung Effizienz, Flexibilität und Qualität.

Dies führte in den letzten 20 Jahren zu weitreichenden Umstrukturierungen in den Unternehmen. Hierbei verlagerte sich das Hauptaugenmerk bei der Unternehmensperformance auf Prozessorientierung und Prozessmanagement.

Die Beherrschung der unternehmensinternen Abläufe gilt seitdem als Hauptziel, um den Anforderungen bezüglich Effizienz, Qualität und Flexibilität gerecht zu werden. Es treten bei der Umsetzung des Prozessmanagements Probleme auf, die einer kontinuierlichen Verbesserung der Geschäftsabläufe bedarf.

In diesem Artikel wird Ihnen der Begriff Prozessmanagement näher gebracht. Es wird erklärt, wie die Kontrolle Ihrer Unternehmensprozesse Ihr Unternehmen auf die Erfolgsspur bringen kann.

Was ist Prozessmanagement?

Sie wollen sich weitere nützliche
Inhalte für Ihren Betrieb sichern?
Melden Sie sich jetzt kostenlos
zu der UAS Mitgliedschaft an!

Ihre E-Mail:

Ihr Vorname:

Ihr Nachname:

Zunächst ist es wichtig, den Begriff des Prozessmanagements zu definieren, damit eine erfolgreiche Prozessoptimierung durchgeführt werden kann. Es lohnt sich, Definitionen aus der gängigen Literatur heranzuziehen.

Der Begriff Prozessmanagement findet in der Literatur verschiedene Definitionen, je nachdem, welche Sichtweise eingenommen wird. Die Definitionen reichen von einer operativen Betrachtungsweise bis hin zur prozessorientierten Unternehmensführung.

Prozessmanagement ist ein integriertes Konzept. Es umfasst planerische, organisatorische und steuernde Maßnahmen. Es ermöglicht eine auf die Bedürfnisse der Kunden und anderer Interessengruppen ausgerichtete Steuerung der Geschäftsabläufe. Innerhalb eines Unternehmens ist das Ziel dieser Maßnahmen die Verbesserung von Geschäftsprozessen und somit die stetige Optimierung der Arbeitsabläufe hinsichtlich Kundenzufriedenheit, Qualität, Zeit und Kosten.

In Anlehnung an Stephan Bergauer: Die Bewertung von Prozessen im Rahmen eines Prozessmanagements 2009

Prozessmanagement ist die Gestaltung von Geschäftsprozessen eines Unternehmens. Dabei wird nicht nur auf die effiziente Ausrichtung der Geschäftsabläufe fokussiert, sondern auch auf die Einbindung in das Unternehmen und seine Unternehmenskultur und strategische Ausrichtung. Zum Geschäftsprozessmanagement gehören die Erhebung, Gestaltung, Dokumentation und Umsetzung von Prozessen.

Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Prozessmanagement, online im Internet: Archiv/1057697/geschaeftsprozessmanagement-v4.html

Die Definitionen unterstreichen, dass es innerhalb Ihres Unternehmens hauptsächlich eines Umdenkens bezüglich Ihrer Betriebsorganisation bedarf. Traditionell ist ein Unternehmen in verschiedene Abteilungen wie Forschung / Entwicklung, Vertrieb, Beschaffung usw. aufgeteilt. Die Bearbeitung der anstehenden Aufgaben erfolgt vertikal innerhalb der einzelnen Geschäftsbereiche. Abbildung 1 zeigt eine herkömmliche hierarchische Struktur eines Unternehmens, ein typisches Organigramm.

Ein typisches Organigramm

Ein typisches Organigramm

Dies erschwert eine Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen und verhindert eine ganzheitliche Betrachtung der Problemstellung. In der Realität kann eine Aufgabe in Ihrem Unternehmen nicht einer Abteilung zugeordnet werden. Vielmehr muss ein Ziel des Unternehmens als abteilungsübergreifender Prozess angesehen werden. Hier setzt das Prozess- bzw. Geschäftsprozessmanagement (engl: Business Process Management, kurz BPM) an. Das Prozessmanagement nimmt eine horizontale Sichtweise ein. Ein Ziel wird formuliert und die Erreichung dieses Ziels wird als Prozess entlang der Abteilungen angesehen (siehe Abbildung 2).

Als Bestandteil vom oder als Alternative zum Qualitätsmanagement rückt es den Kundenwunsch in den Mittelpunkt. Somit wird eine Problemstellung in Ihrem Unternehmen abteilungsübergreifend bearbeitet und fördert eine bessere Abstimmung bzw. Kommunikation innerhalb des Unternehmens.

Prozesse verus Funktionen

Prozesse versus Funktionen

Abbildung 2: Prozessdenken im Mittelpunkt

Wozu braucht man Prozessmanagement?

Beim Prozessmanagement ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, welchen Nutzen es für Ihr Unternehmen gegenüber Wettbewerbern hat. Zum einen ermöglicht eine Prozessdarstellung, Unternehmensabläufe transparent darzustellen. Zum anderen vereinfacht das Prozessdenken die Analyse und Verbesserung von internen Abläufen. Außerdem zeigt ein Prozess an, wie ein Unternehmen abteilungsübergreifend funktioniert. Dies vereinfacht die Zusammenarbeit und Kommunikation im Unternehmen enorm.

Daneben ist es hilfreich, sich Ziele im Rahmen des Prozessmanagements zu definieren. Die relevantesten Ziele bezüglich der Prozessbeherrschung liegen in den Bereichen Qualität, Kosten und Zeit. Zur Veranschaulichung dieser Zielbeziehungen hat sich das Magische Zieldreieck bewährt (siehe Abbildung 3).

  • Qualität: Mit Qualität ist hauptsächlich die Beherrschung des Prozesses gemeint. Der Prozess soll so weitgehend optimiert sein, dass keine Störungen im Prozess die Qualität des Produkts gefährden.
  • Kosten: Wenn Prozesse optimal ablaufen, werden die Kosten minimal, da unnötige Ressourcen eliminiert werden.
  • Zeit: Effizienz ist beim Faktor Zeit der entscheidende Aspekt. Umso effizienter der Prozess abläuft, desto geringer sind die Durchlaufzeiten bzw. Reaktionszeiten.

Wie beschreibt man Prozesse?

Die Hauptaufgabe im Bereich Prozessmanagement besteht darin, wie man Prozesse im Unternehmen identifiziert, modelliert und verifiziert, bevor Sie einen Prozess umsetzen können. Die Beschreibung eines Prozesses besteht aus mehreren verschiedenen Schritten. Im Allgemeinen kann die Prozessgestaltung in 5 Schritten abgehandelt werden.

1. Schritt: Erhebung von Daten

Beim ersten Schritt findet eine IST- Analyse im Unternehmen statt. Konkret bedeutet dies, dass vorhandene Strukturen im Unternehmen aufgenommen und analysiert werden. Wichtig ist die Informationsgewinnung über vorhandene oder notwendige Prozesse.

2. Schritt: Modellierung

Nach der Datenerhebung erfolgt im zweiten Schritt die Prozessmodellierung. Hierbei werden vor allem Unternehmensziele definiert. Außerdem werden Grundsätze und Dokumentation festgelegt. Ergebnis ist z.B. eine sogenannte Prozesslandkarte.

3. Schritt: Analyse

Die Analyse basiert auf der IST-Aufnahme aus der Datenerhebung. Sie hilft, Schwachstellen der gegenwärtigen Unternehmensstruktur aufzudecken. An dieser Stelle wird geprüft, inwieweit die Unternehmensziele mit der IST- Struktur zu vereinbaren sind. Durchlaufzeiten und Prozesskosten werden ermittelt. Als zusätzliche Hilfe können Referenzmodelle und Benchmarking herangezogen werden. Hier wird entschieden, ob die bestehende Prozessstruktur punktuell verbessert oder komplett erneuert wird.

4. Schritt: Festlegung Soll-Prozess

Auf der Basis der Analyse der Daten wird ein SOLL-Prozess festgelegt. verschiedene Varianten werden durchgegangen, der IST-Zustand wird mit dem SOLL-Prozess verglichen und ggf. Abweichungen festgestellt.

5. Schritt: Umsetzung

Bei der Umsetzung steht die praktische Durchführung der Prozessgestaltung im Fokus.

Eine Einführungsstrategie wird formuliert und die genaue Reihenfolge der Prozesse festgelegt. Darüber hinaus kommen hier Aspekte des Projektmanagements zum Einsatz. Die Projektkommunikation wird festgelegt und die Mitarbeiter werden in die Prozessumsetzung mit einbezogen.

Wie überprüft man Prozessabläufe?

Wenn in Ihrem Unternehmen Prozessabläufe bereits integriert sind, kommt schnell die Frage nach der Bewertung dieser Prozesse auf. Sind die Prozesse effizient und laufen diese reibungslos ab? Bei der Prozessbewertung wird zunächst der IST-Zustand der Prozesse analysiert.

Im Allgemeinen lassen sich Prozesse qualitativ und quantitativ überprüfen bzw. bewerten. Während bei der qualitativen Prozessbewertung die Prozessfähigkeiten und bestimmte Prozessmerkmale im Vordergrund stehen, wird bei der quantitativen Beurteilung die Prozessleistung gemessen.

Qualitative Bewertung

Quantitative Bewertung

  • Vorhandensein ermitteln
  • Mit Prozessbeschreibung vergleichen
  • Art der Prozessbeschreibung bewerten
  • Prozessleistungsmessung bestimmen
  • Optimierungsansätze bewerten
  • Prozessleistung messen
  • Leistungsstreuung messen
  • Prozessfähigkeit bestimmen
  • Leistung vergleichen
    • Mit Wettbewerb (Benchmarking)
    • Mit Kundenanforderungen
    • Mit Unternehmenszielen (Plan, Budget, Spezifikation)

 

  • Reifegradmodelle
  • 20 Keys
  • European Foundation for Quality Management
  • SPICE
  • Kennzahlen
  • Qualitätsregelkarte
  • Benchmarking
  • Scorecard

Quelle: nach Becker (2008) S. 149

Wichtig bei der Prozessbewertung ist es, dass Ihre unternehmensinternen Prozesse beide Bewertungsansätze durchlaufen – qualitativ und quantitativ. Nur ein dualer Bewertungsansatz kann ein repräsentatives Ergebnis herbeiführen.

Qualitative Prozessbewertung

Qualitative Bewertung basiert auf qualitativen Daten, die nicht auf numerische Werte reduziert werden können. Sie werden in Worten ausgedrückt und liefern ein tieferes Verständnis über das Prozessgeschehen.

Quantitative Prozessbewertung

Der Begriff quantitativ bezeichnet Merkmale, die auf numerischen Daten basieren. Sie liefern Kennzahlen für die zu untersuchenden Prozessaspekte. Durch sie können die Aspekte eines neuen Prozesses gemessen und bewertet werden.

Aufgrund quantitativer Daten können beispielsweise Entscheidungen über die Prozessqualität oder das weitere Vorgehen bei der Prozessentwicklung getroffen werden.

Welche Arten von Prozessmanagement gibt es?

Prozessmanagement ist nicht gleich Prozessmanagement. Vielmehr existieren verschiedene Arten des Prozessmanagements, die unterschiedliche Aufgaben und Unternehmensbereiche abdecken. Unterschieden wird strategisches vs. operatives Prozessmanagement. Tipp! Zum Thema strategisches & operatives Prozessmanagement haben wir einen eigenen Hintergrundartikel erstellt.

Eine schöne Grafik, die ich im Netz gefunden habe, zeigt die beiden Regelkreisläufe, die über Top-Down und Bottom-Up-Ansätze miteinander verbunden sind.

Strategisches versus operatives Prozessmanagement

Strategisches versus operatives Prozessmanagement

Quelle: https://ssl.arcor-secure.de/moser-beratung.de/images/prozessmanag-up-down_v02.jpg

Strategisches Prozessmanagement

Das strategische Prozessmanagement betrachtet das Große und Ganze des Unternehmens. Es umfasst die planenden, kontrollierenden und steuernden Aktivitäten, die wichtig sind, um die Prozesse eines Unternehmens an der Unternehmensstrategie auszurichten. Zusammengefasst, das strategische Prozessmanagement versucht Kernprozesse und die Unternehmensstrategie unter einen Hut zu bringen.

Es identifiziert Anforderungen an die Prozesse aus der Unternehmensstrategie und dem Geschäftsmodell. Es schafft einen langfristigen und unternehmensweiten Plan zur Weiterentwicklung der Prozesse des Unternehmens. Es definiert die dafür erforderlichen Maßnahmen und kontrolliert deren Umsetzung. Der Ansatz des Strategischen Prozessmanagements schafft einen Überblick über die Unternehmensstruktur und weist auf zukünftige Potenziale hin.

Operatives Prozessmanagement

Das Operative Prozessmanagement beschäftigt sich mit Teilprozessen innerhalb der jeweiligen Organisationseinheit sowie mit der Erreichung der Prozessleistung. In diesem Bereich findet die konkrete Prozessmodellierung, Prozessanalyse, Prozessumsetzung und Prozessoptimierung statt.

Das Operative Prozessmanagement beschäftigt sich mit den bestehenden Prozessen im Tagesgeschäft, um die vorgegebenen Leistungskennzahlen zu erreichen und die Potenziale bestehender Prozesse auszuschöpfen. Es modelliert, analysiert, designet und misst die Prozesse innerhalb eines abgesteckten Bereiches, der an den Schnittstellen zu anderen Organisationseinheiten endet. Es treibt die kontinuierliche Prozessverbesserung bzw. Erneuerung für seine Prozesse an.

Prozessmanagement in mittelständischen Unternehmen

Geschäftsprozessmanagement ist ein vielseitiges und universell einsetzbares Thema. Die Anwendungsgebiete des Prozessmanagements umfassen alle Unternehmen, aus der Großindustrie bis zum Handwerker. Prozessmanagement lässt sich leicht auf mittelständische und kleine Unternehmen übertragen. Im Folgenden wird beispielhaft die Einführung des Prozessmanagements für mittelständische Unternehmen durchgeführt.

Am Beispiel eines mittelständischen Unternehmens wird ein ganzheitliches Konzept vorgestellt, wie Sie ein Prozessmanagement als Kleinunternehmer oder Mittelständler effektiv und effizient einführen können. Zunächst muss Ihnen bewusst sein, dass eine Abhängigkeit zwischen Kundenzufriedenheit und Prozessen besteht. Je besser Ihre Prozesse auf Kundenanforderungen angepasst sind, desto höher ist die Kundenzufriedenheit. Eine optimale Kundenbeziehung (eng. Costumer-Relationship) ist das Ziel. Kundenorientierung ist somit ein Grundprinzip, um Potentiale, Strukturen und Prozesse zu optimieren.  Darüber hinaus werden die Prozess- und Mitarbeiterorientierung als weitere Grundprinzipien ins Hauptaugenmerk genommen. Bei der Prozessorientierung liegt der Fokus darauf, die Organisation auf wertschöpfende Prozesse auszurichten. Zusätzlich ist es wichtig, die Mitarbeiter als Träger der Prozesse aktiv mit einzubinden.

Vorgehensweise des Prozessmanagements

Für mittelständische oder kleine Unternehmen empfiehlt sich ein vierstufiges Vorgehen bei Prozessmanagement.

  • Einführung: Dies beinhaltet die Identifizierung, Strukturierung und Dokumentation der Geschäftsprozesse, die Festlegung der Prozessziele und Prozesskennzahlen sowie die Ermittlung kritischer Prozesserfolgsfaktoren. Ergebnis ist eine durchgängige Prozessbeschreibung.
  • Verbesserung: Prozessverbesserung hat das Ziel, Prozesse zu optimieren und sie damit wirksamer und leistungsfähiger zu modellieren.
  • Beherrschung: Die Beherrschung der Prozesse stellt sicher, dass ein Prozess die sogenannte Prozessstabilität erreicht und weiterhin unter sich verändernden Prozessbedingungen die angestrebten Anforderungen erfüllt.
  • Redesign: Das Prozess-Redesign beginnt dort, wo die Verbesserung und die Beherrschung keine Lösungen mehr finden können. Damit wird ein komplett neuer Prozess initiiert. Prozess-Redesign wird notwendig, wenn die Prozesse nicht mehr anpassbar sind oder sich im Ablauf grundlegende Änderungen ergeben oder Informationen nicht mehr adäquat beschaffbar sind.

Die Einführungsphase ist einmalig bei einem Prozess durchzuführen. Die Prozess-Verbesserung und Prozess-Beherrschung stellen einen kontinuierlichen Arbeitsaufwand dar. Das Redesign wird eingesetzt, wenn eine Prozessverbesserung nicht mehr zufriedenstellend und eine Prozessbeherrschung nicht gewährleistet ist.

Geschäftsprozesse in kleinen und mittelständischen Unternehmen

Eine häufige Frage ist die Identifizierung von Prozessen. Diese Frage stellt sich oft, wenn Sie sich als Unternehmer mit Prozessmanagement beschäftigen und es in Ihrem Unternehmen einführen möchten. Welche Prozesse hat ein mittelständisches Unternehmen und welche davon sind relevant?

Im Allgemeinen lassen sich Prozesse in einem mittelständischen Unternehmen in drei Kategorien einteilen.

  1. Infrastruktur-Prozesse
  2. Leistungserstellungsprozesse
  3. Kundenserviceprozesse

Diese drei übergeordneten Prozesse lassen sich in Geschäfts- und Teilprozesse aufteilen (siehe Abb. 6). Jedoch weist diese Abbildung nur einen geringen Detaillierungsgrad auf. Zur Verfeinerung werden die einzelnen Geschäftsprozesse in weitere Teilprozesse und Prozesselemente gegliedert. Dabei hängt die Detaillierung maßgeblich vom Arbeitsumfang ab.

Einteilung von Prozessen

Einteilung von Prozessen

Quelle: Fuhrmann (1998) S. 261

Die Abbildung oben zeigt nur grobe Strukturen einzelner Prozesse. Im folgenden Beispiel des Auftragsabwicklungsprozesses zeigen wir detaillierte Teilprozesse in verschiedenen Prozessebenen. Diese werden Schritt für Schritt erklärt.

Beispiel Auftragsabwicklungsprozess

Die übergeordnete Prozessarchitektur hat für Sie als Unternehmer zunächst wenig Aussagekraft, da der Detaillierungsgrad zu niedrig ist. Es ist ratsam, die Prozessarchitektur in weitere untergeordnete Prozessebenen zu gliedern und somit detaillierte Teilprozesse und Prozesselemente transparent zu machen.

Die nächste Grafik zeigt Ihnen, wie Sie den Auftragsabwicklungsprozess in verschiedene Prozessebenen untergliedern können, um somit Teilprozesse und Prozesselemente offenzulegen.

Prozessgliederung

Prozessgliederung

Quelle: in Anlehnung an Fuhrmann (1998) S.264

Während auf der Prozessebene 1 die Geschäftsprozesse visualisiert werden, deckt die Prozessebene 2 alle Teilprozesse auf, die im Zusammenhang mit einer Auftragsabwicklung stehen. Schließlich erfolgt auf der Prozessebene 3 der höchste Grad der Detaillierung, indem die Prozesselemente aus dem Teilprozess „Angebot bearbeiten“ dargestellt werden. Die Aufgabe für Ihr Unternehmen besteht darin, für jeden Geschäftsprozess die Teilprozesse und deren Prozesselemente zu ermitteln. Somit entsteht Schritt für Schritt die gesamte Prozessarchitektur für Ihr Unternehmen.

Prozesskennzahlen

Sobald die einzelnen Geschäftsprozesse, Teilprozesse und Prozesselemente festgelegt sind, rückt die Prozessbewertung mit ihren Kennzahlen in den Fokus. Die Kennzahlen müssen im Zusammenhang mit den Prozesszielen betrachtet werden. Es werden Kosten-, Qualitäts- und Zeitkennzahlen ermittelt.

  • Kostenkennzahlen: Die kostenorientierten Kennzahlen geben Ihnen als Unternehmer einen Überblick über den Aufwand, welcher ein Teilprozess bewirkt.
  • Qualitätskennzahlen: Diese Kennzahlen sollen Qualität messbar machen. Dies geschieht am effektivsten durch das Aufzeigen von Abweichungen. Reklamationsquoten, Fehlerraten, Aufwand für qualitätssichernde Maßnahmen und die Anzahl zufriedener oder unzufriedener Kunden können herangezogen werden.
  • Zeitkennzahlen: Der Informationsgehalt der Zeitkennzahlen bezieht sich auf die Bearbeitungszeit der Aufträge: ist diese zufriedenstellend oder bestehen in diesem Bereich noch Defizite.

Organisation des Prozessmanagements

Entscheidend für den Erfolg des Prozessmanagements ist der Grad der Mitverantwortung Ihrer Mitarbeiter. Umso höher die Motivation und das Verständnis für Prozessmanagement im Unternehmen ist, desto effizienter stellt sich der Unternehmenserfolg ein. Um ein prozessorientiertes Management umzusetzen, muss die Unternehmensstruktur verändert werden.

Dafür sollten Gremien geschaffen werden, in denen die Prozessstrukturen verankert werden müssen. Ausgewählten Mitarbeitern in diesen Gremien werden Kompetenzen und Verantwortung für die Realisierung der Prozessmanagementaufgaben übertragen. Rollen im Prozessmanagement können die Prozessverantwortlichen bzw. die Prozessmanager sowie die Prozessmitarbeiter oder die Prozessberater sein.

Probleme beim Prozessmanagement

Bei der Einführung des Prozessmanagements in einem mittelständischen oder kleinen Unternehmen treten viele verschiedene Probleme auf. Zum Beispiel sind finanzielle und personelle Ressourcen begrenzt zugänglich.

Außerdem sind in einem mittelständischen Unternehmen die Mitarbeiter stark ins Tagesgeschäft eingebunden und haben begrenzte Zeit für Organisationsaufgaben. Der wichtigste Punkt bei der Einführung des Prozessmanagements ist die gezielte Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter. Vorhandene Strukturen mit neuen Ideen so zu verbinden, dass es eine Verbesserung darstellt und keine Erhöhung der Komplexität, ist Aufgabe der Mitarbeiter. Das ist bei der Einführung von Prozessmanagement zu beachten.

Prozessmanagement ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem die ständige Optimierung der Prozesse notwendig ist. Prozessmanagement ist keine einmalige abgeschlossene Aufgabe. Die Prozessverwaltung muss selbst immer wieder geprüft und hinterfragt werden.

Um ein interdisziplinäres BPM langfristig zu etablieren, müssen vor allem aber Ihre Mitarbeiter von der Idee des prozessorientierten Unternehmens überzeugt sein. Dies ist ein entscheidendes Erfolgskriterium bei einer prozessorientierten Ausrichtung. Eine ganzheitliche Vermittlung des Prozessmanagements durch die Geschäftsführung kann eine vollkommene Akzeptanz bei Ihren Mitarbeitern hervorrufen.

Zusammenfassung Prozessmanagement

Prozessmanagement ist eines der wirkungsvollsten Methoden, um Unternehmen zu mehr Effizienz zu verhelfen. Es ist in allen Arten von Unternehmen und in allen Unternehmensgrößen anwendbar. Es ist ganzheitlich und bedeutet anfangs einen nicht zu unterschätzenden Aufwand. Dafür macht sich kontinuierliches Prozessmanagement in einer enormen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bezahlt. Zusammen mit der Wertstromanalyse aus dem Lean Management hilft es prozessorientierten Unternehmern, ihre betrieblichen Probleme nachhaltig in den Griff zu bekommen.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

Bildquelle: Fotolia, © industrieblick

Sie fanden den Beitrag hilfreich? So bleiben Sie informiert…
Jetzt zu unserem kostenlosen Newsletter anmelden

Geschütztes Wissen für Ihren Wettbewerbsvorteil


Wissen ist ein Wettbewerbsvorteil Begrenzter Zugang - lernen Sie unseren internen Bereich kennen!

Jetzt klicken & informieren

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Stimmen Sie bitte ab und helfen Sie mir, die Beiträge weiter zu verbessern!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Abstimmungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...