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Wertstromorientiertes Prozessmanagement – was Sie erwartet

Wertstromorientiertes Prozessmanagement

Wertstromorientiertes Prozessmanagement – ein weißer Schimmel?

Karl Wagner und Alexandra Lindner haben das Buch Wertstromorientiertes Prozessmanagement verfasst, das im Hanser Verlag erschienen ist. Mir wurde ein Exemplar zur Rezension überlassen und ich war sehr interessiert, ob das Buch die drei Hauptpunkte auf der Titelseite halten kann.

Diese sind

  • Effizienz steigern
  • Verschwendung reduzieren
  • Abläufe optimieren

Hört sich spannend an, mal sehen, ob das Buch hält was es verspricht…

Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel.

  1. Wertstromdesign
  2. Prozessmanagement
  3. Zusammenführung von Prozessmanagement und Wertstromdesign
  4. Prozesse in die Prozesslandkarte aufnehmen
  5. Prozesse erarbeiten
  6. WPM Lebensphasen
  7. WPM in der Kultur des Unternehmens verankern
  8. Allgemeine Werkzeuge
  9. Vorlagen für WPM Arbeitsblätter
  10. Beispiele der Anwendung

Jedes dieser Kapitel macht Neugierig und ich war sehr gespannt auf die Inhalte. Diese will ich Ihnen nun vorstellen.

Kapitel 1: Wertstromdesign

Im ersten Kapitel führen die beiden Autoren Wagner und Lindner in die Grundprinzipien des Lean Management ein. Im ersten Unterabschnitt wird dem Leser die Historie des Toyota Produktionssystems erklärt. Wichtige Begriffe und Geisteshaltungen wie Kaizen, Verschwendung (Muda), Überlastung (Muri) und Unausgeglichenheit (Mura) werden ausführlich und an vielen Beispielen erläutert.

Der zweite Unterabschnitt beschäftigt sich sehr ausführlich mit der Wertstromanalyse und dem Wertstromdesign (WSD). Diese Prinzipien sind auch von Mike Rother in seinem viel beachteten Buch „Sehen Lernen“ beschrieben. Die beiden Autoren greifen diese auf und bringen sie an vielen Beispielen dem Leser näher.

Die bekannten Lean Management Prinzipien werden von Wagner und Lindner aufgegriffen und anschaulich erläutert.

Diese sind:

  • Orientierung am Kundentakt
  • kontinuierlicher Fluss
  • Pull-System und Supermarkt
  • Schrittmacherprozess
  • Flexibilität durch Ausgleich
  • Freigabe von kleinen und gleichmäßigen Arbeitsportionen
  • Verbesserung von Engpässen
  • Trennung und Abstimmung von Arbeitsinhalten

Nach dem ersten Kapitel hat der Leser die wesentlichen Grundbegriffe des Lean Management und des Wertstromdesigns als eine gutes Fundament kennen gelernt. Die vielen Bilder und Illustrationen erleichtern Anfängern den Einstieg in das Thema.

Lean Management stammt aus der produzierenden Industrie. Manchmal fällt es schwer, in der Produktion offensichtliche Verschwendung wie Rüstzeiten, Ausschuss, Verschnitt oder Lagerbestände auf Büroumgebungen zu übertragen. Das Problem ist hier die fehlende Sichtbarkeit, z.B. von unerledigten Aufgaben im eMail-Eingang (Bestände), dem Warten auf Unterschriften oder ähnlichem.

Im ersten Kapitel des Buches Wertstromorientiertes Prozessmanagement werden dem Leser genau diese Brücken aufgezeigt, wie man Lean auf administrative Prozesse übertragen kann. Hier kommen die Techniken aus der Lean Administration, dem Makigami oder dem Waste-Walk zum Einsatz. Die Bebilderung hift hier dem Leser wieder, leicht einen Einstieg in das Thema zu finden.

Kapitel 2: Prozessmanagement

Das zweite Kapitel widmet sich intensiv dem Prozessmanagement (BPM). Der Leser wird von Wagner und Lindner sehr kompakt in die Prinzipien des Prozessmanagments eingeführt. Dabei werden Begriffe wie Prozessmodell, Prozesswürdigkeit, Prozessmanagementsystem oder der Prozess-Livecycle genau beschrieben und erklärt.

Mein persönlicher Favorit des Kapitels war die kritische Herausarbeitung der Prozesswürdigkeit. Ich habe in meiner beruflichen Praxis schon zu viele Unternehmen gesehen habe, die sich „zu Tode modellieren“. Dabei wird kein Mehrwert geschaffen außer tausenden schicken Bildern.

Für die Definition von Rollen innerhalb des Prozessmanagements gibt es hilfreiche Vorschläge, die von den Unternehmen ohne größere Probleme übernommen werden können.

Kapitel 3: Zusammenführung von Prozessmanagement und Wertstromdesign

Das dritte Kapitel bringt die beiden Methoden BPM und WSD zusammen und erweitert die üblichen Modelle um die Prinzipien des jeweils anderen. Im Kern geht es um die methodische Verankerung des PDCA-Zyklus aus dem Lean Management (Verbesserung in kleinen Schritten). Die Anreicherung der Prozessmodelle mit Daten aus der Prozessmessung (Measure Prinzipien aus dem Six Sigma) ist hier ebenfalls ein methodischer Schwerpunkt.

Kapitel 4: Prozesse in die Landkarte aufnehmen

Das eher knapp gehaltene vierte Kapitel schärft nochmal den Blick des Lesers auf die kritische Hinterfragung der Prozesswürdigkeit und die Aufnahme in die Prozesslandkarte. Insofern nochmal eine eindringliche Fokussierung auf das Wesentliche und die Darstellung der Hauptflüsse von Material, Informationen und Arbeit.

Kapitel 5: Prozesse erarbeiten

Herzstück des fünften Kapitels ist die Ist-Aufnahme der Prozesse und die Anreicherung des klassischen Prozessmodells mit verschiedenen weiteren Layern.

Diese Layer sind:

  • Prozessstruktur
  • Produkt und Informationsflüsse
  • Verschwendung
  • Zeiten
  • Qualität
  • Kapazität
  • Risiken
  • Kosten
  • Verbesserungspotentiale

Anhand von vielen Darstellungen werden diese Layer Stück für Stück in das klassische Prozessmodell eingeführt. Da die Layer aufeinander aufbauen, wird der Leser gleichsam „an die Hand genommen“ und nicht völlig überfordert.

Die Analyse der Ist-Situation und die Konzeptionierung der Soll-Situation finden ebenfalls breiten Raum im fünften Kapitel.

Für mich war damit das fünfte Kapitel methodisch wie inhaltlich ein äußerst gelungener Abschnitt des Buches „Wertstromorientiertes Prozessmanagement“.

Kapitel 6: WPM-Lebensphasen

Das sechste Kapitel widmet sich den WPM Lebensphasen und zeigt auf, wie Messen, Steuern und Regeln die Gesamtprozessleistung dauerhaft verbessert werden kann.

Kapitel 7: WPM in der Unternehmenskultur verankern

Endlich! Ein Autorenteam, das nicht nur einen Methodenkoffer dem Leser an die Hand gibt, sondern bei der viel schwierigeren Aufgabe konkrete Handlungsalternativen aufzeigt. Die Verankerung in der Unternehmenskultur und das damit einhergehende Change-Management sind in der Praxis dicke Bretter, die gebohrt werden müssen.

Das Kapitel ist umfangreich und ich begrüße es außerordentlich, dass dieses wichtige und schwierige Thema unaufgeregt dargestellt werden. Ich fand das sehr gelungen!

Kapitel 8:Allgemeine Werkzeuge

Im achten Kapitel werden die typischen Lean Management Werkzeuge wie 5S, Poka Yoke, 5-Why oder das Visuelle Management anschaulich darstellt. Schön wäre noch ein ausführlicherer Hinweis auf das Ishikawa-Diagramm (auch Ursache-Wirkungs Diagramm) gewesen.

Die weiteren Kapitel bieten Vorlagen und Arbeitsblätter, um die Arbeit gemäß der Vorschläge im Buch sofort beginnen zu können. Zwei ausführliche Fallbeispiele runden das Buch ab.

Fazit zum Buch Wertstromorientiertes Prozessmanagement

Mit diesem Buch halten Sie ein echtes Wissenspaket in den Händen, die Ihre Arbeit bei der Verbesserung Ihrer Prozesse sehr gut unterstützt. Die versprochenen Ergebnisse, wie weniger Verschwendung, mehr Effizienz und bessere Organisation sollten sich damit gut erreichen lassen. Für Unternehmer, die sich mit dem Thema Qualitätsmanagement beschäftigen, sicher auch eine Bereicherung. Das Buch aus dem Hanser Verlag ist damit aus meiner Sicht eine echte Leseempfehlung mit 5 von 5 Sternen.

Bleibt nur noch dem Leser die Disziplin und das Durchhaltevermögen zu wünschen, um die sehr guten Lösungsvorschläge auch anzuwenden.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder


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