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Ishikawa Diagramm – so finden Sie Ursachen für Probleme

Ursachenforschung
Anfang der 1940er Jahre entwickelte der japanische Wissenschaftler Kaoru Ishikawa das Ursachen-Wirkungs-Diagramm oder auch Fischgrätendiagramm, das später seinen Namen erhielt. Im internationalen Gebrauch spricht man von Fishbone Diagram oder nach seinem Entwickler von Ishikawa Diagram.

Zunächst kam diese Technik der Problemlösung vor allem im Qualitätsmanagement zum Tragen, heute wird sie weltweit auf vielen Ebenen und Problemfeldern angewandt. In dem folgenden Artikel finden Sie sowohl eine Erklärung dieses Ursache-Wirkung-Diagramms als auch eine Diagramm-Vorlage.

Wozu braucht man als Handwerker das Ishikawa Diagramm?

Im letzten Artikel über Kreativität und Kreativitätstechniken haben wir Ihnen mit der 5-Why-Fragetechnik eine Methode zur Ursachenforschung vorgestellt.

Mit Hilfe dieser Fragetechnik kann die Wurzel eines Problems erforscht und dieses dadurch dauerhaft gelöst werden.

Die 5-Why-Fragetechnik ist durch ihre Linearität auf eine Ursache eines Problems beschränkt. Häufig gibt es aber mehrere Ursachen, die zu einer Störung oder einem Problem führen.

Hier setzt das Ishikawa Diagramm (oder Fischgräten-Diagramm) an.

In Teamarbeit, am besten fachübergreifend, werden mit Hilfe weiterer Kreativitätstechniken, wie beispielsweise Brainstorming, verschiedene Sichtweisen auf ein Problem ausgearbeitet. Dabei wird sich hauptsächlich auf die Problemstellung konzentriert und die Interessen einzelner treten in den Hintergrund.

Die Problemursachen bzw. die Ursache der Störung werden übersichtlich in Haupteinflussgrößen zergliedert, denen dann wiederum weitere Ursachen zugewiesen werden. Dadurch werden Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Ursachen sichtbar gemacht.

Mit Hilfe dieser Kreativitätstechnik können Problemursachen systematisch und vollständig ermittelt und Prozesse analysiert und neu strukturiert werden.

Selbst, wenn es sich um komplexe Strukturen und Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge handelt, ist eine Visualisierung möglich. Ein Team kann mittels des Ishikawa Diagramms aber nicht nur das Zustandekommen von Problemen oder Störungen aufklären. Ebenso ist es möglich, die Wirkungskette für etwas besonders gut Gelungenes zu ermitteln.

Auch im Handwerksbetrieb passiert es oft, dass Problemen nicht wirklich auf den Grund gegangen wird, sondern oberflächliche Lösungsalternativen gesucht werden.

Statt eine Störung dauerhaft abzuschaffen, werden die Auswirkungen zwar immer wieder beseitigt, aber nicht nach der Hauptursache geforscht. Um effizient zu bleiben ist es aber auch für einen kleinen Handwerksbetrieb notwendig, nach der Wurzel des Übels zu suchen.

Die dafür investierte Zeit zahlt sich in einem störungsfrei laufenden Betrieb aus.

Was braucht man für ein Ishikawa Diagramm?

  • Flip-Chart, Tafel oder Pinnwand
  • Marker, Edding Klebepunkte
  • 4-6 Teilnehmer, aus allen betroffenen Abteilungen
  • ca. 30 bis 60 Minuten Zeit

Ishikawa Diagramm erstellen

In vier Schritten lässt sich ein Ishikawa Diagramm erarbeiten.

1. Das Problem benennen

Zuerst sollte eine genaue Beschreibung der Problemlage vorgenommen werden.

Jeder einzelne im Team, der sich an der Kreativitätstechnik des Ishikawa Diagrammes beteiligt, muss das Problem richtig verstanden haben.

Inhalt, Zeit, Ort und Ausmaß des Vorfalls sollten genauestens festgehalten und erläutert werden. Das Ereignis oder die Störung wird auf der rechten Seite des Flip-Charts (oder ähnlichem) notiert.

Dies wird der „Kopf“ des Fischgrätendiagramms, zu dem ein Pfeil von links nach rechts führt:

 

Ishikawa Diagramm Abbildung 1

Ishikawa Diagramm erstellen Abbildung 1

2. Das Problem in Hauptursachen zergliedern

Danach werden Hauptursachen (engl. Root Causes) für mögliche Ursachen festgelegt und in Hauptkategorien eingeordnet.

Zur Orientierung kann man hierfür die 4-M-Methode verwenden, wobei es keine Beschränkung in der Anzahl der Hauptkategorien gibt.

4-M bedeutet eine Zergliederung in „Maschine“ (wozu auch Werkzeuge oder Hilfsmittel gehören), „Material“ (wie Arbeitsmaterialien, Rohstoffe etc.), „Mensch“ oder auch „Milieu“ und „Methode“.

Erweitert werden können die Kategorien beispielsweise um „Management“, „Messung“ oder „Money“, sehr oft wird ein fünfter Ast mit der Kategorie „Mitwelt“ ergänzt.

Diese 4-M-Methode ist nicht zwingend, es können auch andere Kriterien zugrunde gelegt werden. Beispielsweise kann man sich bei der Erstellung der Hauptkategorien am Arbeits-Ablauf orientieren und die einzelnen Schritte als Grundlage nehmen oder vorhandene Strategien.

Nach welchen Merkmalen die Einordnung auch immer erfolgt, folgende Fragestellung sollte stets als Grundlage dienen:

„Wer oder was ist am Zustandekommen des Vorfalls, Ereignisses oder Problems beteiligt?“

Die so herausgefilterten Hauptkategorien werden fischgrätenartig in einem 60° Winkel von rechts nach links am „Rückgrat“ der Grafik angeordnet, dies sollte ohne Wertung geschehen:

Ishikawa-Diagramm Abbildung 2

Ishikawa Diagramm erstellen Abbildung 2

3. Ursachenforschung

Jetzt kommen die weiteren Kreativitätstechniken, wie beispielsweise Brainstorming, ins Spiel:

Es gilt, möglichst viele denkbare Gründe für das Problem zu finden.

Jede gefundene Ursache wird einer Hauptkategorie zugeordnet. Gibt es mehrere Möglichkeiten, muss sich das Team für eine entscheiden, eine mehrfache Zuordnung ist nicht möglich.

Der Moderator kann in dieser Phase den Kreativitätsprozess unterstützen, indem er das Team durch Fragen auf bisher vernachlässigte Themen hinweist.

Jede Einzelursache sollte immer wieder hinterfragt werden, um Nebenursachen zu finden. Als Faustregel könnte hierbei gelten:

Pro Einzelursache bis zu fünf mal „Warum“ zu fragen.

Jeder einzelne Punkt wird als Pfeil der Hauptkategorie zugeordnet, Nebenursachen wiederum der ihnen übergeordneten Ursache.

Auf diese Weise verzweigt sich das Diagramm immer mehr, wie Fischgräten.

Dabei ist von Fall zu Fall zu entscheiden, welcher Verzweigungsgrad noch sinnvoll ist und wie weit man ins Detail gehen sollte:

Ishikawa-Diagramm Abbildung 3

Ishikawa Diagramm Abbildung 3

Unter Umständen ist es notwendig, ein Problem aufzuteilen und evtl. ein weiteres Fischgräten-Diagramm anzufertigen, um eine zu weite und unübersichtliche Verzweigung zu verhindern.

Andererseits ist ein zu lineares Diagramm, das keine oder nur wenig Nebenursachen aufzeigt, für eine Deutung nicht ausreichend.

Kommt man in so einem Fall gar nicht weiter, ist eine andere Kreativitätstechnik zur Lösung dieses Problems evtl. sinnvoller.

Auf jeden Fall gilt: Bis alle Thesen gesammelt sind, sollte unbedingt auf jegliche Form der Wertung verzichtet werden.

Diese erfolgt erst im nächsten Schritt.

4. Bewertung

Hat das Team alle Ursachen zusammengetragen und werden keine neuen Thesen mehr gefunden, wird die Bewertung des Diagramms vorgenommen.

Dies kann beispielsweise unter zu Hilfenahme von Klebepunkten geschehen.

Das Team einigt sich auf einige Hauptaspekte und gewichtet die einzelnen Ursachen Klebepunkte oder Symbole verteilt.

Die Thesen mit den meisten Punkten, werden anschließend weiter untersucht und Maßnahmen eingeleitet, wie beispielsweise einen Maßnahmenplan zu erstellen.

Wie bei allen Lösungsansätzen die Maßnahmen nach sich ziehen, ist es auch hier besonders wichtig, die spätere Kontrolle nicht zu vergessen.

Nach einer gewissen Zeit muss eruiert werden, ob die ergriffenen Maßnahmen ausgereicht haben. Wurde die Wurzel des Problems überhaupt erfasst oder wurde vielleicht ein nicht zielführender Weg eingeschlagen, sodass nachgebessert werden muss?

Ein Termin für eine Evaluation sollte gleich zusammen mit den Maßnahmen festgelegt werden, damit nichts aus dem Blickfeld gerät.

Vor- und Nachteile des Ishikawa Diagramms

Sind die Probleme zu komplex, kann das Ishikawa Diagramm unübersichtlich und zu umfangreich werden.

Dann wären mehrere Diagramme notwendig, was wiederum mit einem höheren Zeitaufwand verbunden ist.

Das Fischgräten-Diagramm stößt ebenfalls an seine Grenzen, wenn Wechselwirkungen und zeitliche Abhängigkeiten einer Problemlage erfasst werden sollen. Diese Herausforderungen gehen Sie besser mit dem Consideo iModeler an (Beispiel mit dem Kano Modell für begeisterte Kunden im Handwerk).

Allerdings bietet das Fischgräten-Diagramm eine gute Diskussionsgrundlage.

Das Team, zusammengesetzt aus verschiedenen Fachrichtungen muss lernen, verschiedene Blickwinkel einzunehmen und konvergierend die Ursachen zu gewichten.

Das fördert die Teamarbeit und das Verständnis für die Sichtweise des anderen und für die einzelnen Prozesse im Betrieb.

Die Kreativitätstechnik ist ohne großen technischen Aufwand leicht umzusetzen sowie schnell erlernbar und somit flexibel einsetzbar.

Besonders hervorzuheben ist aber, dass nicht nur die Ursache von Problemen, sondern auch die Wirkungskette für Gelungenes mit Hilfe dieses Diagramms erforscht werden kann. Damit wird ein besonders positiver Effekt auf die Mitarbeiter erreicht.

Es grüßt aus Bayreuth,
Axel Schröder

 

Bildquelle: fotolia, © Bits and Splits

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