Menü

Risikomanagement im kleinen Unternehmen

Risikomanagement Nur wer wagt gewinnt
Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren!? Vincent van Gogh

Keine Chance ohne Risiko

Ein Risiko ist laut Duden der mögliche negative Ausgang einer Unternehmung. Damit verbunden sind Nachteile, Verluste oder Schäden.

Auch Sie sind mit der Gründung Ihres eigenen Betriebes Risiken eingegangen. Als Existenzgründer haben Sie die Sicherheit eines festen Einkommens aus dem Angestelltenverhältnis aufgegeben. Zugleich haben Sie wahrscheinlich viel Geld in Hand genommen, um Ihren Traum zu verwirklichen.

Doch auch nach der erfolgreichen Gründung und mit langjähriger Erfahrung als selbständiger Unternehmer, bleiben Risiken bestehen. Denn Chancen und Risiken gehören im Leben untrennbar zueinander.

Während es uns im Privatleben oft leichter fällt, Risiken zu erkennen und einzuschätzen, fehlt das Risikobewusstsein im Kontext vieler kleiner Unternehmen leider häufig. So käme wohl niemand auf die Idee, eine stark befahrene Straße zu überqueren, ohne sich umzusehen. Das Risiko eines schweren Unfalls stände in einem krassen Missverhältnis zur Chance der „gewonnenen Zeit“.

Der Ausfall von Maschinen, mangelnde Mitarbeiter-Motivation oder fallende Marktpreise sind dagegen Risiken, die viele Unternehmen schnell übersehen. Aber auch höhere Gewalt wie Unwetter oder Feuer zählen zu den Risiken, die man als Unternehmer nicht unterschätzen sollte.

Eine Festplatte fällt zum schlechtesten Zeitpunkt aus und alle Daten sind weg. Das Risikomanagement verhindert den Totalverlust in mehreren Stufen:

1. Trennung von Boot- und Datenlaufwerk: Springt der PC nicht mehr an, sind die Daten sicher.

2. Sicherungsstrategie: Die Sicherung auf weiteren externen Festplatten oder einem zentralen Server/dem Clouddienst schützt vor Datenverlust.

3. Zeit- und Kostenaufwand sind bei einem Schaden überschaubar.

Nach einer Studie des Handelsblattes haben nur 20% – 40% der deutschen mittelständischen Unternehmen eine Risikostrategie. Das gibt mir zu denken und ist oft einer der wesentlichen Gründe, warum Banken mit Krediten für Unternehmen sehr zurückhaltend reagieren.

Was ist Risikomanagement?

Risiken lauern überall. Deshalb sollten auch Sie Ihren Betrieb systematisch auf Schwachstellen hin überprüfen. Das methodische Identifizieren, Analysieren, Bewerten, Steuern und Überwachen von Risiken bezeichnet man als Risikomanagement. Wichtig ist, dass es sich dabei um einen Prozess handelt, der immer wieder von neuem beginnt. Hinweis: Für Unternehmen mit Berichtspflicht nach KonTraG gelten gesonderte zu beachtende Vorschriften! Für alle anderen Betriebe ist ein sinnvolles Risikomanagement Schutz vor hohem Stress, Zeit- und Geldaufwand.

Risikomanagement: Der Prozesskreislauf
Risikomanagement: Der Prozesskreislauf
  1. Riskobewusstsein
  2. Risikoanalyse
  3. Risikobewertung
  4. Risikomanagement
  5. Sie kümmern sich aktiv um Ihre Risikosteuerung!

Gelingt es Ihnen ein gutes Riskmanagement zu betreiben, werden Sie

  • mit geringerer Wahrscheinlichkeit Verluste realisieren
  • leichter Zugang zu frischem Geld bekommen
  • deutlich weniger insolvenzgefährdet sein

Der Risikokreislauf im Detail

Was ich an einem konkreten Beispiel mit meiner Festplatte erläutert habe, lässt sich auf alle Risiken im unternehmerischen Umfeld übertragen.

Risikoidentifikation und -analyse

Zuerst definieren wir eine Matrix für die Risikoeinordnung, in der wir in den Spalten die Risikoklassen nach dem möglichen Schadensumfang festlegen. In den Zeilen tragen wir die Schadensfelder ein, die ein möglicher Schaden verursacht.

Ein Beispiel dazu: Ein defekt verbautes Bremspedal bei einem Auto kann zu Unfällen führen, weil der Fahrer nicht mehr bremsen kann. Dieses Risiko fällt in die Dimensionen Sicherheit/Gesundheit (es können Personenschäden auftreten), es fällt in die Dimension Qualität (da es ja offensichtlich Mängel in der Qualitätssicherung bei der Produktion gibt), es fällt in die Dimension Finanzen (da Rückrufe immer sehr teuer sind), es fällt in die Dimension Kunden (Image-Schäden) etc.

Ein Risiko kann daher viele Dimensionen und in den Dimensionen unterschiedliche Auswirkungen haben. Die folgende Abbildung zeigt ein Beispiel der Risikoeinordnung.

Matrix zur Einordnung von Risiken
Matrix zur Einordnung von Risiken

Risikobewertung

Der nächste Schritt ist die Risikobewertung; Welches Risiko akzeptiere ich bewusst mit seinen Folgen und welches Risiko „manage“ ich. Bei allen Katastrophen durch Höhere Gewalt brauchen Sie eine gute Vorbereitung ohne klare Vorgaben.

Mit dieser Einteilung trennen wir die Bagatellrisiken von den bedrohlichen Risiken für das Unternehmen. Dazu tragen wir die Risiken aus der jeweiligen Spalte der Risikoeinordnung in die passende Spalte bei der Risikobewertung und in die Zeile, wie oft das Risiko vorkommt. Der Eintritt des Risikos ist als Wahrscheinlichkeit zu berechnen.

Für eine leichtere Bewertung der Risiken und der entsprechenden Einteilung steht in der Spalte neben der Eintrittswahrscheinlichkeit ein Beispiel (vgl. kam einmal monatlich im Unternehmen vor = sehr oft).

Matrix zur Risikobewertung
Matrix zur Risikobewertung

Sie sehen mit der Farbgebung sofort, um welche Risiken Sie sich unverzüglich kümmern müssen, wenn Sie mit Ihrem Unternehmen nicht in eine schwere Krise geraten wollen.

Risikomanagement

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, das Risiko zu mildern. Entweder wir senken die Eintrittswahrscheinlichkeit oder reduzieren das Schadensausmaß. Überlegen Sie sich bei jedem Risiko, mit welchen Mitteln das Risiko abgemildert wird. Für viele Risiken gibt es z.B. Versicherungen (Haftpflicht- oder Brandversicherungen sind Beispiele), die das Risiko durch Übernahme der finanziellen Schäden mildern.

In unserem Festplattenfall können Sie die Wahrscheinlichkeit des Ausfalls nicht wirklich beeinflussen. Sie können aber das Risiko des Datenverlustes durch die Trennung in zwei Festplatten streuen (es werden kaum beide gleichzeitig ausfallen) und sie können das Schadensausmaß erheblich reduzieren, indem Sie Sicherungskopien der Festplatten jederzeit zur Hand haben.

Mein dringender Rat: Machen Sie sich ernsthafte Gedanken über ein systematisches Risikomanagement in Ihrem Unternehmen oder in Ihrem Handwerksbetrieb! Wenn Sie Unterstützung bei der Erstellung einer für Sie individuellen Risikomatrix benötigen oder zum Thema Risikomanagement allgemein, nehmen Sie mit mir Kontakt auf! Ich unterstütze Sie gerne!

Genormtes Risikomanagement

Natürlich – wie könnte es anders sein – gibt es auch für das Risikomanagement eine Norm: Die ISO 31000. Der weltweit gültige Standard zum Thema Risikomanagement folgt drei Prinzipien:

  • Das Risikomanagement ist eine Führungsaufgabe
  • Umgesetzt werden soll ein Top-down-Ansatz: Bei der Betrachtung von Sinnzusammenhängen arbeitet man sich vom Abstrakten zum Konkreten vor
  • Die ISO 31000 ist eine allgemeine Grundlage, die verschiedene Risiken eines Unternehmens berücksichtigt

Bei der Anwendung der ISO 31000 in kleinen und mittleren Unternehmen sind einige Besonderheiten zu beachten. Neben den historisch gewachsenen Führungsstrukturen zählt dazu auch der hohe Spezialisierungsgrad in Bezug auf Märkte, Verfahren und Produkte. Weitere Faktoren sind die starke Vernetzung mit Kunden und Lieferanten, das begrenzte Kompensationsvermögen bei Ausfällen und die geringere Eigenkapitalausstattung.

Unterstützende Maßnahmen des Risikomanagements

Unterstützt Sie das Risikomanagement vor allem in den Bereichen Analyse, Messung und Überwachung durch die FEMA – die Fehlermöglichkeits- und Eintrittsanalyse. Sie hilft dabei, Fehler schon vor der Entstehung zu vermeiden, statt sie nachträglich zu korrigieren.

Tipp!Ein systematisches Risikomanagement ist (über)lebensnotwendig! Sollten Sie deshalb noch tiefer in das Thema einsteigen wollen, empfehlen wir Ihnen unseren limitierten internen Bereich oder gleich eine Anfrage zu einer individuellen Betreuung.

Nehmen Sie jetzt unverbindlich Kontakt mit uns auf!

Alle Beiträge zum Thema Risikomanagement